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UNSERE NEUSTEN ARTIKEL

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Am 28. November um 16:00 Uhr findet die öffentliche Redaktionssitzung zur Januar/Februar-Ausgabe statt. Das Thema der Ausgabe ist Scheitern.

Die eingesendeten Texte können ab 16:00 Uhr in der Redaktion gelesen werden. Die Diskussion der Texte beginnt um 17:00 Uhr und dauert circa zwei Stunden.

Wir freuen uns auf angeregte Diskussionen zu den Texten!

Wo: Karl der Grosse, Kirchgasse 14 8001 Zürich

Jetzt Text/Bild einsenden

Bitte erinnere mich jeweils an den Redaktionsschluss und die Redaktionssitzung:

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Weisst du, wie das Budget einer ganz normalen Tageszeitung aussieht? Druck und Versand fressen 60 Prozent des ganzen Geldes weg. Dazu kommt die Redaktion (20-30 Prozent) und die Verwaltung/Verlag. Es ist unschwer zu erkennen, dass es eigentlich keinen Sinn macht, der grösste Teil des Geldes in die Holzindustrie zu schicken (Holz=Papier). Der Übermittler der Inhalte sollte eigentlich keine Rolle spielen, das Papier hängt den Verlagen wie ein schwerer Klotz am Bein. An einer anderen Stelle habe ich mal vorgerechnet, dass es für die New York Times lukrativ wäre, ihrer Abonnenten einen E-Reader zu schenken, um die Druckkosten zu sparen. 

Druck und Versand von gedruckten Zeitungen sind nicht nur unnötig teuer, in den letzten Jahren sind zudem noch die gebuchten Werbungen weggebrochen. Wohin? Natürlich ins Internet. Da sollten die Zeitungen auch hin. Die Tageszeitungen werden auch schon bald nur noch dort anzutreffen sein.

Warum drucken wir also trotzdem weiterhin auf das sündhaft teure und dazu noch unökologische Papier? Weil es geil ist.

Weisst du, wie das Budget von dieperspektive aussieht? Ungefähr 90 Prozent des ganzen Geldes fliesst direkt zur Druckerei (&Versand). Die restlichen Franken geben wir für Büromaterial und ähnliches aus. Löhne haben wir keine. Ja, rein ökonomisch ist es doof, eine Zeitung zu drucken. Ja, auch das Leseverhalten zeigt eher Richtung Internet als zurück zum gedruckten Papier.

druckerei2Warum drucken wir also trotzdem weiterhin auf das sündhaft teure und dazu noch unökologische Papier? Weil es geil ist. Eine gedruckte Zeitschrift in den Händen zu halten ist grossartig. Uns ist das so wichtig, dass wir unsere Liebe zum Papier in der Erklärung der Redaktion festgehalten haben.

Wer mit einer guten Zeitschrift unter dem Arm durch die Strasse flaniert, fühlt sich besser, intelligenter und hat mehr Sex Appeal.

Abgesehen davon, dass Papier geil ist, gibt es natürlich auch rationale Gründe, warum wir daran festhalten. Unsere Zeitschrift erscheint sechs Mal pro Jahr. Das heisst, eine Ausgabe ist während zwei Monaten aktuell. Wie lange gilt im Internet etwas als aktuell? 10 Minuten? 20? Eine Stunde? Trotz den jeweiligen zweimonatigen Pausen und dem langsamen Papier ist und bleibt dieperspektive ausserst interaktiv. In unseren Augen zwingen uns unsere Themen dazu, die Zeitung zu drucken. Oft erreichen uns lange und gute Texte, welchen wir mit einem sorgfältigen und kreativen Layout einen speziellen Platz bieten wollen. Es ist einfacher und sinnvoller, ein Thema auf 40 Seiten Papier zu behandeln, als in einem Dossier auf die Homepage zu laden.

2/7 der Redaktion vor grossen Papierrollen

2/7 der Redaktion vor grossen Papierrollen

Mit den heutigen technischen Möglichkeiten, wäre es sicher machbar, unsere Themen und Inhalte online wunderschön zu präsentieren. Doch bei unserem Budget stellt sich dann die Frage: Ist eine derartige Lösung billiger als die jetzige auf Papier?

Der wahre Grund, warum kleine und feine Print-Produkte immer überleben werden liegt wohl darin, dass sie bereits heute als ein wenig retro gelten. Es war schon immer so, und das wird auch so bleiben: Wer mit einer guten Zeitschrift unter dem Arm durch die Strasse flaniert, fühlt sich besser, intelligenter und hat mehr Sex Appeal.

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Wir befinden uns in einer misslichen Lage. Plötzlich ist das Konto leer. Bis zum letzten Augenblick dachten wir, dass schaffen wir schon aus eigener Kraft. Nun sind wir auf Unterstützung angewiesen und hoffen, in unserer Rettungswoche genügend finanzielle Mittel aufzutreiben, um unsere leidenschaftliche Arbeit für dieperspektive fortsetzen zu können.

Es ist schon länger kein Geheimnis mehr. Printprodukte haben es schwierig. Gerade unabhängige, nicht komerzielle Verlage und Zeitschriften mit kleiner Auflage bewegen sich oft auf dünnem Eis. Dabei herscht genau bei den kleinen Printprodukten eine enorme Vielfalt. Wir stellen einige der spannensten Magazin-Projekte vor:

 

Dislike Magazin

dislike

Was schon viele auf Facebook gefordert haben, gibt es nun als Magazin: Dislike. Es ist nunmal nicht alles easy, fresh und chillig. Das dazugehörige Magazin sammelt Unmut und druckt diesen auf Papier. Es behandelt Trends und Tendenzen mit kritischem und künstlerischem Blickwinkel. Dislike ist ein Plädoyer für offline statt online und für durchdacht statt oberflächlich. 550 Exemplare wurden von der ersten und bisher einzigen Ausgabe dieses Magazins gedruckt. Selbstverständlich ist Dislike nicht auf Facebook zu finden, aber ohne Webseite kommt auch dieses Prinmagazin nicht aus:

dislikemagazin.ch

 

delirium

delirium

Das Delirium gehört zu den Frischlingen in der schweizer Heftli-Landschaft. Vor wenigen Tagen ist die dritte Ausgabe erschienen. Die Publikation für Literatur und Literaturkritik hat sich ein spannendes Konzept ausgedacht: Jeder Text muss auf einen Beitrag aus einer früheren Version Bezug nehmen. So soll eine Auseinandersetzung über mehrere Ausgaben mit einem Thema ermöglicht werden. Das delirium erscheint halbjährlich mit 500 gedruckten Exemplaren.

delirium-magazin.ch

 

Quottom

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Heft ist für das Quottom fast untertrieben. Mit fast einem Kilogramm und 120 Seiten ist das Magazin eine Wucht. Mit starkem Fokus auf Design und hohe Druckqualität kommt das noch junge Magazin sehr professionell daher. Die Inhalte kommen von Designstudenten und Mittzwanzigern die gerne schreiben. Als spezielle Idee nähert sich die Redaktion zwei Leitthemen von je einer Heftseite her. In der Mitte werden die beiden Themen in einem Leitartikel verbunden. So geschehen in der aktuellen, Ausgabe Nr. 4 mit Heimat und Wahnsinn. Das Magazin mit einer Auflage von 4000 Expmplaren ist neben vielen Designshops auch in Kiosk Verkaufsstellen erhältlich.

quottom.ch

 

FIN Magazin

fin

Das Cover der zweitern FIN Ausgabe ist im Siebdruckverfahren produziert. Die Seiten vom FIN Magazin liegen wuderbar in der Hand. Ein Magazin aus Bern, dass sich mit allen druckbaren Disziplinen befasst. Starke Fotografien und interessante Gedichte finden sich im FIN Magazin. Mit bisher zwei Ausgaben gehört das FIN zu den Kücken in der Magazinlandschaft.

f-i-n.ch

 

Tink.ch

tink

Wie der Name bereits vermuten lässt, Tink.ch ist in erster Linie eine Online-Platform. Junge und angehende Journalisten sammeln bei Tink.ch Erfahrungen und bekommen dafür detaillierte Rückmeldungen zu ihren Beiträgen. Tink.ch bringt seit 2010 auch ein Printmagazin heraus. Viermal pro Jahr mit einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint das Magazin. Die Ausgaben erscheinen zu je einem Schwerpunktthema. Einzigartig ist Tink.ch durch ihren jugendlichen Blickwinkel und mit der Abdeckung einer enormen journalistischen Vielfalt bis in die Romandie und das Tessin.

tink.ch

 

Bierglaslyri

bierglaslyrik

 

Bierglaslyrik gehört zu den ganz Kleinen. Mit einer offenen Redaktion und einem «weltbewegenden» Thema ist das Berner Magazin unserer Publikation ähnlich. Bierglaslyrik wird kostenlos zum Download angeboten und zählt mit einer gedruckten Auflage von 150 Exemplaren nur ganz knapp zu den Printprodukten. Illustrationen und Texte kommen in schlichtem Layout und schwarz weiss daher. Klassische Werbung findet man im Beizenheftli nicht. Dafür gibt es gesponserte «Bierhumpen» im Heft. Eine kreative Alternative zu klassischen Werbeformen.

bierglaslyrik.ch

 

Saiten

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Das Ostschweizer Kulturmagazin Saiten tanzt hier ein wenig aus der Reihe. Mit bereits 238 Ausgaben kann das Magazin auf eine vergleichsweise lange Geschichte zurückschauen. Die feste Redaktion bekommt einen Kollektivlohn. Saiten ist zwar kein ehrenamtliches Projekt, aber das Saiten arbeitet nicht gewinnorientiert. In diese Auswahl haben wir das Saiten nicht nur wegen der hochstehenden journalistischen Leistung genommen. Auch dieses Magazin ist von finanziellen Schwierigkeiten nicht gefeilt. Bis Ende 2014 benötigt das Saiten 1000 neue Mitglieder. Die Auflage vom Saiten beträgt 5600 Exemplare.

saiten.ch

 

Konverter

konvert

Ist das noch eine Publikation? Ein paar Jungs schreiben Texte und drucken diese in einer Garage aus. Zwei, drei Heftklammern und fertig ist das Heft von Konverter.  Versteht sich fast von selbst, dass das Heft in losen Zeitabständen erscheint und keine fixe Auflage hat. Der Webauftritt vom Konverter erinnert stark an einen Web 1.0 Blog. Das ganze hat so ziemlich viel Charme und kommt geheimnisvoll daher. Wo man das Heft findet? Keine Ahnung. Wir haben es einmal in die Redaktion geliefert bekommen. Von einem Konverter persönlich.

konverter.wordpress.com

Lasso

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Die Basler Zeitschrift Lasso beschäftigt sich mit Kunst und Literatur. Ähnlich wie bei uns steht das Mitwirken allen Personen offen. Die Redaktion veröffentlicht das Thema und Beiträge können eingesendet werden.  Anders als bei uns müssen die Beiträge beim Lasso Magazin mit dem Thema zu tun haben. Vom Lasso Magazin gibt es bis dato sechs Ausgaben.

lassomagazin.ch

 

zweikommasieben

zweikommasieben

Ein Heft ürber die Gegenwart und die Luzerner Klub Kultur. Mit einer Auflage vom 1000 Exemplaren ist das zweikommasieben in verschiedenen Shops erhältlich. Auffällig ist die Nähe zur englischen Sprache, so ist die aktuelle Nr. 9 zweisprachig erschienen.

zweikommasieben.ch

 

KOLT

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Das Kulturmagazin von Olten wirkt schön schlicht gestaltet. Mit grosszügig gelayouteten Reportagen kommt das KOLT daher. Die Auflage beträgt 1500 Exemplare. Mit bereits 56 Ausgaben gehört das KOLT in dieser Liste schon zu den alten Hasen. Uns ist die viele Werbung im Magazin ins Auge gestochen. Gut für die Verleger, weniger ansprechend für die Leser.

kolt.ch

 

Coucou

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Im Coucou liest man alles über die Kultur und das Stadtleben in Winterthur. Die Macher verstehen das Heft als Brücke zwischen Hoch-, Populär- und Alternativkultur. Das Magazin erscheint zehn mal pro Jahr und hat eine Auflage von 1500 Exemplaren.

coucoumagazin.ch

 

Zalle

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Zalle ist ein Berner Magazin, welches sich Subjektivität auf die Flagge schreibt. Mit einer Mischung aus Literatur und Hintergrundtexten kommt das Magazin zeitlos daher. Zalle verfolgt eine relativ strikte offline Strategie. Das Heft erscheint jedes Quartal mit 700 Druckexemplaren.

zalle.ch

 

 

Zu uns: dieperspektive

 

Wie auch alle der vorgestellten Print-Magazine erscheint dieperspektive von einem unabhängigen Verlag. Wir sind sieben Personen, die unentgeldliche mit viel Herzblut einen bis mehrere Tage die Woche an dieperspektive arbeiten. Vom Layout über den Verkauf der Werbefläche, wir machen alles selber. Auch das Verteilen der Zeitung wird neben dem Postversand von uns mit Velo und ÖV bewerkstelligt. Neben den Inserateinnahmen und Abonnementsbeiträgen bezahlen wir den Druck von dieperspektive mit Unterstützung von Stiftungen. Um dieperspektive weiter am Leben zu erhalten, benötigen wir 7000 Franken um unser Loch in der Kasse zu Stopfen.

Vielen Dank für deine Mithilfe.

 

Kennst du weitere spannende Print-Magazine aus der Schweiz?  Wir freuen uns über alle Hinweise und vervolständigen die Liste mit deinem Input. Einfach unten einen Kommentar hinterlassen.

(aktualisiert am: 08.10: Neu mit dem zweikommasieben Magazin. Danke Nik Panique/ 09.10: Zusätzlich mit dem KOLT Magazin/13.10 Auch das Coucou Magazin und Zalle gehören definitiv auf diese Liste)

 

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    Am Freitag (03.10.) sollte die Gentrifizierungsausgabe verpackt, verschickt und verteilt werden. So war es geplant. Nun stehen wir da und haben kein Geld mehr. Du fragst dich, wie es dazu kam?

    Wie es dazu kam:
    Dass das Geld so plötzlich fehlt ist überraschend, hat aber einfache Gründe: Unsere Haupteinnahmequellen hinken allesamt hinter dem Budget: Werbung, Abonnenten und Stiftungen.
    Der allergrösste Teil unseres Geldes geht direkt an die Druckerei (&Versand). Wie immer sind wir transparent: Hier findest du unser Budget.

    Was wir tun:
    Heute Freitag (03.10.) starten wir eine Charity-Woche. Wir rufen dich und alle anderen Sympis dazu auf, uns Geld zu schicken. Dadurch gewinnen wir etwas Luft und können die offenen Rechnungen bezahlen.
    Bis Ende November arbeiten wir mit Hochdruck an einer längerfristigen Lösung, damit wir nicht in einem Jahr wieder am gleichen Punkt stehen.

    Unsere Einschätzung:
    Es kommt gut. Wir haben schon so manchen finanziellen Engpass überwunden und sind zuversichtlich.

    Was du tun kannst:
    In einem schönen Listicle haben wir elf Möglichkeiten aufgezeigt, wie du dieperspektive retten kannst.
    Geld: Am besten rennst du zur Bank, plünderst dein Konto und gibst uns das Geld. Oder einen Teil davon. Oder fünf Franken (im Ernst: Jeder Franken hilft uns enorm).
    Spread the Word: Je mehr Menschen wissen, dass wir Geld brauchen, desto mehr kommt auch zusammen. Es freut uns sehr, wenn du diesen Newsletter oder das Listicle weiterschickst und über Facebook und Twitter teilst.

    Update:
    Schon in der ersten Stunde unserer Rettungs-Aktion wurden wir mit Fragen und Mails überhäuft. Danke, wir beantworten jedes einzelne. Bitte fragt, wenn ihr Fragen habt: per Mail oder unten als Kommentar.

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    Wer kennt es nicht: Die Physiker von Dürrenmatt. Meistens sehr witzig, manchmal aber auch nachdenklich stimmend – aber immer als Theater.

    Nun inszeniert Daniel Mouthon das Drama als Musiktheater: Am 14./15. und 17./18./19. Oktober.

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    Sie kommen nicht aus der Kritik: Fundraisingagenturen wie Corris, Wesser, Imis, Ten Fe oder Lecho, welche für Hilfswerke wie z.B. den WWF, Amnesty International, Pro Infirmis, Helvetas oder das Rote Kreuz auf der Strasse oder vor Haustüren auf Spendenfang gehen. Die (künstlich-) sympathischen bis militanten «Dialoger» sind meist jugendliche Mitarbeitende, oft Studierende, die  im Schnellverfahren ausgebildet werden. Bei Corris behalten die Mitarbeitenden den Job im Durchschnitt mickrige drei Wochen.

    Nachdem letztes Jahr vor allem der Kassensturz und die Weltwoche unter anderem haarsträubende Arbeitsbedingungen und eine Vielzahl unlauterer Vorgehensweisen beim Sammeln aufgedeckt haben, hat es nun in der Romandie «gekracht»: Gleich mehrere westschweizer Medien berichteten über die Zweifel eines Hilfswerkes an dem existierenden Spendensammel-System. Es scheint die Einsicht gereift, dass eine zu starke Kommerzialisierung, sprich die Auslagerung gewisser, zentraler Tätigkeiten von einer «gemeinnützigen Non-Profit-Organisationen» (NPO) an eine «eigennützige Profit-Organisation» – was ja schon per Definition einen Widerspruch in sich darstellt – womöglich prinzipiell nicht aufgeht.

    Zehn neue Spender pro Tag: Realistisch?

    Amnesty International signalisierte in diesem Sinne, dass die Zusammenarbeit mit Corris  «nicht in Stein gemeisselt» sei. Der Menschenrechtsorganisation geht es wohl nicht ausschliesslich um ethische Gesichtspunkte. Auch wirtschaftlich stehen die Einnahmen zu den Ausgaben  schon lange in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. Corris verlangt 850 Franken pro sammelnder Person und Tag. Die krasseste Kennziffer ist jedoch eine andere: Die durchschnittliche Anzahl neu spendender Personen, welche die Sammelnden rekrutieren können. So deutete Corris-Gründer und -Inhaber Gerhard Friesacher in einem K-Tipp-Artikel von 1997 noch an, dass 50 Abschlüsse pro Woche, das heisst zehn NeuspenderInnen pro Tag, absolut machbar seien. In der NZZ vom Dezember 2012 tönt es bei Tom Hofer, Chef Fundraising beim Gehörlosenbund ganz anders: Vor einigen Jahren habe man noch von sieben bis acht Abschlüssen pro Dialoger und Tag ausgehen können… Heute seien fünf neue Spender bereits ein guter Wert. Fazit: Die Anzahl Abschlüsse sind pro Tag von acht bis zehn (um 1997) auf heute knapp vier zurückgegangen.

    Der Grund für diesen Rückgang liegt nicht nur darin, dass der heutige Hilfswerkbereich komplett überdimensioniert, d.h. der Spendenmarkt übersättigt ist. Immer mehr Leute sind inzwischen auch einfach über die zweifelhafte Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen und Fundraisingfirmen im Bilde und verzichten deshalb auf eine Spende. Auch die durchschnittliche Spendendauer ist deutlich zurückgegangen.

    Schmerzhafte Kurskorrektur führt zu Stellenabbau

    Der NPO-Sektor der Schweiz befindet sich ohne Zweifel am Beginn einer äusserst schmerzhaften «Kurskorrektur» inklusive Stellenabbau. Zweifellos tragen die jeweiligen Hilfswerkmanagements einen  Teil der Verantwortung für diese in den letzten 15-20 Jahren stattgefundene Fehlentwicklung. Aber auch die Hilfswerk-Kontrollstelle Zewo trifft Mitschuld. Mit der Einsetzung der bis heute amtierenden Geschäftsführerin Martina Ziegerer im Jahr 2003 wurde die Zewo sozusagen zu einer «Hilfswerk-Lobbyorganisation» umfunktioniert. Bereits 2011 berichtete die Handelszeitung über eine brisante Beziehung zwischen der Zewo Geschäftsführerin und dem Caritas Kommunikationschef Odilo Noti (Caritas ist heute Kunde von Corris). 1997 verurteilte die Zewo noch Praktiken, welche heute beim Spendensammeln gang und gäbe sind:

    • Spendensammeln sollte niemals aufdringlich sein. Erfolgsbeteiligungen fördern dies aber geradezu.
    • Die ausgelagerten Sammelaktionen erwecken einen falschen Eindruck. Man meine, dass es sich um Hilfswerk-Leute handle. Dabei sind es jobbende Studenten.
    • Wenn man das LSV langjährigen Mitgliedern anbietet, ist das in Ordnung. Aber wildfremde Leute schnell, schnell auf der Strasse zu überreden, ist nicht fair.

    Sammler sind Wohltätigkeits-Strassenräuber

    Nichtsdestotrotz: Jetzt  auf die Hilfswerkverantwortlichen einzuprügeln, wäre verfehlt. Tatsächlich war vieles gut gemeint, bewirkte langfristig jedoch genau das Gegenteil der erwünschten Wirkung. Auch das Entgegenkommen bei der Zusammenarbeit mit Agenturen ist  aus dieser Perspektive zu sehen: Man wollte einfach günstigere Rahmenbedingungen für die  eigentlich «sinnvolle» Hilfswerkarbeit schaffen. Übersehen wurde allerdings dabei, dass die dem gemeinnützigen Bereich zugrundeliegenden ethischen Grundwerte aufgeweicht wurden. So zum Beispiel der Selbstlosigkeits-Gedanke oder die ehrliche Kommunikation gegenüber der Spenderschaft. Das Problem dabei: Diese Grundwerte machen  erst das «Sinnvolle» an der Hilfswerkarbeit aus. Die Zewo hat auf eine gewisse Weise ihre Rolle falsch interpretiert und ethisches Feingefühl vermissen lassen.Weiter fehlte der Organisation auch Durchsetzungsvermögen gegenüber der mächtigen «Hilfswerklobby», zu welcher die Zewo beinahe dazuzugehören schien.. Aber auch die Spenderschaft hat viel zu lange gutgläubig zugesehen. Trotz wiederkehrenden, sauber recherchierten, kritischen Berichten zu den Missständen.

    Im NPO-Sektor der Schweiz müsste sich einiges ändern, sofern dieser seine Glaubwürdigkeit wiedererlangen will,  wie Radio RaBe zusammenfasst:

    1. Rückbesinnung auf ethische Grundwerte
    2. Redimensionierung
    3. Re-Installation unabhängiger Kontrollstellen
    4. Zurückstufung der Löhne
    5. Begrenzung des Lobbyings

    In der Angelegenheit um Corris & Co. empfiehlt es sich einen Blick nach England zu werfen, wo  Sammlerinnen und Sammler ganz trocken «chuggers» genannt werden. (Wortspiel: «charity»=Wohltätigkeit und «mugger»=Strassenräuber). In England ist die Fehlentwicklung im NPO-Sektor noch prekärer. Viele der fragwürdigen, «modernen» Fundraisingmethoden werden einfach aus Amerika oder eben England übernommen. Besonders der «Telegraph» hat in der jüngeren Vergangenheit das Thema beleuchtet:

    •  Anfang letzten Jahres ist eine der ehemals grössten Fundraisingagenturen Englands nach einem verheerenden Bericht des Telegraph «kollabiert».
    • Da «Street-Fundraising» immer weniger rentabel ist, weichen die Anbieter in England immer mehr auf die «Door-to-door»-Methode aus ( Leute werden direkt vor der Haustüre angesprochen). Folglich verdoppelten sich die Reklamationen über die Sammelnden innerhalb eines Jahres.
    • Lohnexzesse: In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Hilfswerk-Manager, die über 100 000 Pfund verdienen, von 19 auf 30 gestiegen – trotz rückläufigen Spendeneinnahmen. Einer Umfrage zufolge halten rund 78 Prozent der Leserschaft Hilfswerk-Chefsaläre von 100 000 Pfund (circa 150 000 Franken) für inakzeptabel. Laut «Schweiz am Sonntag» verdienen die Kader der bekanntesten Non-Profit-Organisationen hierzulande momentan im Schnitt jährlich 189 000 Franken.

     

    Mehr zum Thema: Knochenarbeit bei Wind und Wetter

    Text: Kevin Brutschin, 40, interessiert an Spirituellem, Ethik und Techno, hat selbst im Hilfswerkbereich gearbeitet, konnte sich aber mit den dortigen missbräuchlichen Tendenzen nicht mehr abfinden.
    Bild: Corris.ch