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Ich zippe an meinem Beruhigungstee, den ich für 5.70 CHF kurz vor dem Boarding gekauft habe, nehme einen Zug von meiner E-Zigarette mit Mürre-Aroma und geniesse meine «zusätzliche Beinfreiheit». Endlich schlafen! Ich lasse die Sichtblenden runter (Europa sieht nachts von oben doch eh überall gleich aus), lege mir mein Nackenkissen zurecht, Ohropax rein, Schlafmaske über die Augen – und es kann losgehn.

Aus der Ferne höre ich noch die beruhigenden Sicherheitshinweise von Didier (Von MO bis DO ist er jeweils Chef de cabine, ab Freitag übernimmt dann die liebe Sonja. Ich bin mit beiden per Du. Die ganze Menschheit ist mit Didier und Sonja per du, ob man nun will oder nicht). Ich döse langsam weg, der müde Körper freut sich über die summende Geräuschkulisse und mit dem Hochfahren der Triebwerke spüre ich gerade noch, wie sich mein Atem senkt und sich meine tiefsten Schnarchgeräusche in den Rhythmus des Geratters legen.

Naja, und dann schlafe ich drei, vier Stunden durch. Da kriegt mich dann auch keiner wach. Klar, als starker Schnarcher kann man in diesem Fall von purem Egoismus reden, aber was soll ich sagen? Ich kann mich nun mal nur beim Fliegen richtig entspannen. Und ich stecke Didier und Sonja genug Trinkgeld zu, als dass die irgendwas unternehmen würden, wenn sich mal wieder jemand beschwert.

Seit ich meine Wohnung aufgegeben habe und meine Nächte im Luftraum über Osteuropa verbringe, sind meine Schlafstörungen endlich weg. Ich habe alles probiert: die krassesten Schlafmittel,  diverse Therapieformen, saunieren, Globulis, ätherische Ölwickel, Sport… Alles! Aber nichts hat so sehr geholfen, wie der sanfte Schlaf in 3000 Meter Höhe.

Klar, zu Beginn ging das ins Geld. Aber mit guter Planung und den Vielfliegerlounges in Zürich und wahlweise Kiew oder Helsinki ist man in manchem Monat tatsächlich deutlich unter der üblichen Wohnungsmiete! Und ich bin ja nicht obdachlos. In meinem Büro habe ich alles, was ich sonst so brauche: Badezimmer, Mikrowelle, Kaffeemaschine und einen kleinen Kühlschrank. Auch die Utensilien sind nun billiger: Ein Nackenkissen ist ja mit dem Verkauf meines Bettes und den wegfallenden Waschkosten für die Bettwäsche fast hundertfach amortisiert.

Natürlich, der einstündige Aufenthalt vor dem unmittelbaren Rückflug ist jeweils ein unangenehmer Riss aus der Tiefschlafphase, allerdings tut dieses kurze Beinevertreten dem Rücken ziemlich gut. Zudem habe ich gute Kontakte geschlossen und die besten Möglichkeiten für Croissants ausgecheckt. In Kiew beispielsweise gibt es direkt bei Gate 28 einen klitzekleinen Snackstand, an welchem Lena arbeitet. Die Croissants werden immer 15 Minuten vor meiner Ankunft geliefert und sie lächelt jeweils, wenn ich um die Ecke komme und mit Handzeichen zwei Stück bestelle. Ich weiss nicht, ob sie oder der Snackstand Lena heisst. Jedenfalls steht dieser Name auf ihrem T-Shirt.

Beim Rückflug komme ich dann nach zwei weiteren Stunden Tiefschlaf in eine angenehme Dösphase, in welcher die Träume und die Wirklichkeit verschmelzen. Dann führe ich seltsame Konversationen mit Sonja, das Flugzeug macht Loopings und manchmal lehne ich meinen schnarchenden Kopf an die Schulter meines Sitznachbars.

Die Frage nach meiner persönlichen CO2-Billanz ist tatsächlich eine heikle. Wenn man jeden Tag fliegt, gibt es da natürlich keine Entschuldigung. Ja, ich belaste die Umwelt durchschnittlich hoch. Aber rein nervlich bin ich, zumindest im Arbeitsalltag, viel angenehmer für meine Mitmenschen. Auch im Flugzeug beschwert sich überhaupt nicht jeder. So mancher Sitznachbar hat auch schon seinen Arm um mich gelegt und laut mit mir mitgeschnarcht. Willkommen im 21. Jahrhundert.

 

Autor: Laurin Buser, Slam Poet

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Nachhaltigkeit – der Begriff ist in aller Munde. Nach Jahrzehnten des Kampfes scheint das Wort in Wirtschaft und Gesellschaft angekommen zu sein: Coop und Migros überbieten sich gegenseitig mit immer grüneren Ideen, die Energiewende findet im Parlament eine Mehrheit und für umweltschädigende Unternehmungen wird es zunehmend schwieriger, sich zu rechtfertigen.

Trend gut, alles gut? Könnte man meinen. Ich wage jedoch zu behaupten, der Weg zu einer ökologischen Gesellschaft ist viel steiniger und könnte mit tiefer greifenden Veränderungen verbunden sein als wir uns das vorstellen und wünschen.

Vor 30 Jahren bestand die Umweltbewegung aus aufgebrachten Bürgern, welche auf der Strasse einen respektvolleren Umgang gegenüber der Umwelt forderten. Heute sieht die Situation grundlegend anders aus: Der Gedanke des Umweltschutzes findet vermehrt in der Wirtschaft Anklang. Dieser Trend ist grundsätzlich wünschenswert und ein Verdienst der Grünen Parteien, die den Gedanken des Umweltschutzes in der Mitte der Gesellschaft platzieren konnten. In den letzten Jahren hat sich Beispielsweise der Wirtschaftsdachverband «Swisscleantech» gebildet und wird heute als einflussreiche «Stimme der grünen Wirtschaft» wahrgenommen. Die Forderungen nach «mehr Umweltschutz» verbinden den Wirtschaftsverband und die Umweltbewegung, die Motive dafür sind jedoch sehr unterschiedlich. Während für die Umweltbewegung der Schutz der Natur im Zentrum steht, ist für den Wirtschaftsverband Umweltschutz Mittel zum Zweck: Primäres Ziel ist nicht die Umwelt zu schützen, sondern die Möglichkeit mit nachhaltigem Wirtschaften Geld zu verdienen und so einen neuen Wachstumsmotor zu erzeugen. Der Schutz der Umwelt ist somit nur ein angenehmer Nebeneffekt, nur eine hinreichende, aber im Gegensatz zur Profitmaximierung keine notwendige Bedingung.

Der Umweltgedanke ist in der Schweiz heute so tief verankert wie noch nie. Viele Ideen und grosse Energie ist vorhanden: So entstehen Beispielsweise neue Phänomene wie «urban gardening»,  «containern» oder eine «Nachhaltigkeitswoche», wie sie vom 2.-6. März an den Zürcher Hochschulen stattfindet. Positive und unterstützenswerte Initiativen. Dabei darf es allerdings nicht bleiben. Die Umweltbewegung muss sich stärker den theoretischen Grundlagen ihres Handelns bewusst werden und sich mit ihnen befassen. Ansonsten drohen Aktivitäten nur in oberflächlichen Verbesserungen zu enden ohne die Wurzeln der Probleme überhaupt in Betracht zu ziehen. Folgende zwei Grundsatzfragen scheinen mir dabei zentral und sollten viel stärker, kritischer und offener diskutiert werden:

Erstens: Wirtschaftswachstum und Umwelt

Die erste Frage betrifft die Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz: Ist exponentielles Wirtschaftswachstum auf einem endlichen Planeten möglich ohne die Umwelt zu zerstören? In Anbetracht der enormen Bedeutung dieser Frage finden sich erstaunlich wenige Antworten. Sie ist aber entscheidend, da die daraus entstehenden Schlussfolgerungen das Handeln der Umweltschützer massiv beeinflussen sollten. Wäre Wirtschaftswachstum mit der Umwelt grundlegend nicht vereinbar, hätte beispielsweise die Harmonie zwischen dem Wachstumsverband «Swisscleantech» und den «wahren Umweltschützern» keine Zukunft. Zudem ergibt sich daraus eine weitere Frage: Um das daraus folgende Ziel einer wachstumslosen Gesellschaft zu erreichen, muss zuerst verstanden werden wie Wirtschaftswachstum überhaupt zustande kommt. Eine zweite sehr Grundlegende Frage.

Zweitens: Entstehung von Wirtschaftswachstum

Zugegeben, die Zusammenhänge sind kompliziert und es gibt wohl nur wenige Menschen, die einen vollständigen Durchblick haben. Ich habe ihn zumindest nicht. Auf der Suche nach Begründungen des Wachstumszwanges finden sich verschiedene Theorien: Für die Einen besteht der Grund im Konkurrenzsystem. Um fortbestehen zu können, muss jedes Unternehmen seinen Gewinn maximieren und wachsen, was zu einer wachsenden Wirtschaft führt. Andere sehen die Schuld in der Existenz von Zinsen, worauf aus einem Geldbetrag immer mehr entstehen muss. Für Dritte ist Wirtschaftswachstum eine Folge von Forschung, Innovation und dem Trieb des Menschen.

Am Ende ist mit den vielen Fragezeichen nur etwas klar: Wenn Umwelt und Wirtschaftswachstum nicht vereinbar wären, sind aus Umweltschutzgründen tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaft unabdingbar. Lasst uns die vielen Fragen mit Inhalt füllen! Kritisch, differenziert und ohne Rücksicht auf Eigeninteressen. Nur so kann definiert werden, wie die Umwelt in den nächsten Jahrzehnten optimal geschützt werden kann.

 

Autorenbeschrieb: Levin Koller, Student Umweltnaturwissenschaften ETH.

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Um-Welt, was soll das bitte sein?

Au contraire zur In-Welt oder wie?

Wie die In-Welt deiner Mutter oder deiner Freundin?

Da bin ich öfters. Witz. Ich bin eher so, ist ja lustig, Zigis in den Wald zu schmeissen. Den Stummel weit rein schnippen dass ihn ein Reh frisst. Ich weiss was Umwelt ist, hab schliesslich studiert. Bin auch kein „Klima“-“Skeptiker“. Klar gibts Klima. Meine Freundin hat mir mal vom Plastik in den Weltmeeren geklagt. Langsam hinsiechende Möwen, erwürgt von Kunststoffringen, die mal ein Sixpack zusammenhielten oder einen Fernsehkarton. Immerhin klappt das mit dem Alu. Oder?

Wir rezyklieren doch neunundneunzig Prozent davon, oder?

Aber wär ja nicht schlimm. Das taucht ja, nicht?

Das schwimmt nicht obenauf und bildet Atolle im Nordpazifik wie es der Plastikkarsumpel anscheinend tut. Hat mir meine Freundin erzählt. Sie musste es für einen Vortrag recherchieren sonst wär ihr das auch scheissegal geblieben. Und jetzt hab ich den Salat. Nicht nur im Teller. „Komm Schatz wir nehmen den Nachtzug nach Lissabon, nicht den Flieger. Ist doch auch tolle Ferien so ne Nachtzugfahrt“ sagt sie dann, weil sie weiss, ich spring nur an, wenn für mich was drin liegt. Sie hat aufgegeben mir Nächstenliebe zu lehren. Jetzt macht sie mein Egoismus geil. Das freut mich sehr. Aber Lissabon geht schon mit dem airberlin drei Stunden. Ich bin übrigens schon links. Beziehungsweise Mitte links. Beziehungsweise moderat. Abstimmen tu ich manchmal, wählen eigentlich nie. Und wenn würd’ ich sicher nicht links wählen. Links abstimmen, also Mitte-links, aber nicht wählen. Bin ich denn bescheuert?

Ausländer raus?

Da müsst ich ja noch mehr arbeiten. Ich bin mit 65 pensioniert, glaubs mir nur. Die AHV hat’s bis dann eh gelupft. Drum landen die vorigen Franken eben unter der Matratze. Bist jetzt verruckt?

Seid’s jetzt madig mit mir?

Aber Ihr könnt mir gar nichts vorhalten, Ihr seid mit Nachhalten beschäftigt. Sobald Ihr anklagt werdet ihr von eurer eignen Heuchlerei aufgefressen. Die Welt retten braucht Zeit, hat mir mal eine Bekiffte mit Filz als Haar vorgetragen. Glasaugen. Alle Zeit eigentlich, eigentlich sollten die Grünen die Vierstundennacht propagieren. Dann kann man wieder raus, was für die Um-Welt tun. Dosen aufsammeln. Ich hab wenigstens begriffen, dass ich auch nix machen kann. Und auch du nicht imfall. Auf den heissen Stein tropfen. Das Pet in den Coop zurückbringen oder in den Volg. Bio kaufen und damit die Schweizer Bauern subventionieren, dass sie weiter um Eins in der Beiz auf ihrem ersten Kirschsuff vom Tag trippen können, wo ich zweiundvierzigeinhalb Stunden pro Woche von einem Schlips erwürgt werde. Klar. Keine Plastiktüten mehr benutzen. Und im Osten feuern sie damit den Ofen an wenn die Kohle mal wieder alle ist. Ja genau. Auf den heissen Stein tropfen. Nächste Woche mach ich ein paar Liegestützen damit meine Arme grösser aussehen und geh nach Schlieren. Kauf mir einen 79er Trans Am und fahr damit überland nach Konstanz zum Einkaufen. Das ist so ein Auto, da sind horrende Abgaben drauf, wenn man damit rumfährt. Der Staat straft, weil der Auspuff noch richtig zu tun hat. Klar kann ich’s mir leisten. Ich sollte einfach aufhören, mir auf Stimulanzien Zigarren mit Hunderternoten anzuzünden, dann hätt ich mehr als genug. Aber man darf ja Vorsätze haben, so bin ich auch nicht. Ich bin ein positiver Mensch. Und Kohlendioxidfetischist. Ich lass ihn an, leg mich unters Heck und schnüffel den Qualm, minutenlang. Oft werd ich dabei spitz und fang an, mir einen runterzuholen. Keine Ahnung, liegt wohl an verdrängten Erinnerungen aus der Kindheit. Ein dicker, fetter Nervenstrang, direkt vom Kohlendioxidrezeptor in meiner Nase in meine Schwellkörper. Gut ist, was glücklich macht. Da muss kein Therapeut oder Priester kommen und mir das madig machen wollen. Der Zug ist schon längst abgefahren. Die Erde gibts sowieso nur noch paar Jahrzehnte. Der Billigflieger hat abgehoben.

 

Autorenbeschrieb: Simeon Milkovski, Mitte Zwanzig, ein positiver Mensch.

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Anarchismus ist die einzige Lösung. Es ist die einzige Vision für unsere Zivilisation. Denn dem Kapitalismus fehlt die Vision. Fehlt die Fantasie. Die anarchistische Gesellschaft besteht aus Individuen, die auf freiwilliger Basis selbstbestimmt und föderal in Kollektiven verschiedener Art wie Kommunen als kleinster Einheit des Zusammenlebens, Genossenschaften und Syndikaten zusammen leben und organisiert sind. Anarchie ist Liberalismus plus Kommunismus. Anarchismus ist genial. Er entspricht dem, was ich seit langem auch als spiritueller Kapitalismus propagiere.

Anarchie fängt im Alltag an. Du musst knallhart sein. Sonst ist scheisse. Fuck Fair Trade, Fuck Fair Wohnen, Fuck all diese linksliberale Scheisse. Mit Biodiesel sind wir nicht frei. Das System (Kontrollgesellschaft) zwingt uns zum Dialog. So hat das Deleuze gemeint. Auch wenn die Quottom-Redaktion (Rolandsky hat sich mit der Redaktion des Trendheftlis Quottom überworfen, nachdem die Verantwortlichen einen Essay von Rolandsky verweigerte und zensurierte. Die Verantwortlichen hatten nicht den Mut, zu Ihrer Entscheidung zu stehen, aus Angst, Rolandsky könnte sich wehren.)

Eine faire Jeans ist ein Hamsterrad aus Teakholz. Fair Everything macht uns verhandlungsschwach. Das gibt keinen guten Sex. Immer kacken wir ab, wenn unsere Gegner mit uns einen Dialog führen wollen.

Auf der anderen Seite machen sie Tea Party. Der neue Konservativismus greift um sich, wiegelt sich in unsere Rapmusik ein, in unsere Service Public Reportagen, in unsere Familien-IKEA-Träume, in unsere Migrationsängste.

Fair Anarchismus

Ich habe ja diese Bürgerrechtsbewegung FairWohnen gezündet (die bewirkt hat, dass die Stadt beschleunigt günstige Wohnbauzonen einrichten will) und wurde dann von der PR-Frau von Zentrum Karl der Grosse (einem Gemeinschaftszentrum der Stadt Zürich) auf ein speziell diesem Thema gewidmetes Podium eingeladen. Ich solle am 3. März 2015 über Fair Wohnen reden. Ich wollte aber einen Punkt machen. Ich verlangte, dass auf der Einladungskarte steht, Roland Wagner Anarchist. Nur durch Anarchie gibt es wahre Liebe und wahres Leben im Leben. Alles was lebt ist intelligent, denn sonst könnte es gar nicht leben. Anarchie gibt Dir das Recht zu leben mit Deinen Leuten, Tiere, Pflanzen und Amöben. Ohne Staaten. Ohne Grosskonzerne. Wir können längst leben ohne Grossbauern. Doch das war dem Karl dem Grossen zu klein. Er weigerte sich. Er will Fair Wohnen. Keinen Fair Anarchismus.

Frei sein und wahre Liebe, ohne die Unterdrückung durch den Staat und die Wirtschaft und diese Faire Netzwerke. Der Staat und die Wirtschaft zwingen uns zu konkurrenzieren. So ist keine Liebe möglich. Kapitalismus und Liebe ist unmöglich. Sozialismus und Liebe ist unmöglich. Konservativismus und Liebe ist unmöglich. Das ist wie Teufel und Hölle. Nein, nur mit dem Anarchismus, der übrigens nicht mit der chaotischen Anomie zu verwechseln ist, diesen Fehler machen nur schlechte Journalistinnen und Journalisten in den Quoten-Medien, bist Du im Chefsessel. Nein, Anarchie heisst, du bist der King. Du bist Queen. Du bist Gott. Liebe.

Und dann ist noch was passiert. Das Szenenheftli Quottom hat mir gesagt, ich könne einen freien Aufsatz schreiben, ich sei ganz frei. Und dann habe ich zusammen mit meinem Künstlerfreund Joel Eschbach einen schönen Aufsatz geschrieben und dann haben sie den voll zensuriert, weil ich zu Anarchismus und Spiritualismus aufgerufen haben, also zu Liebe. Ich zahle es den Quottom-Leuten hier auf diese Weise zurück, weil dieperspektive mir nämlich die volle Freiheit gibt, zu schreiben was ich will, ganz im Gegensatz zu Euch Weicheiern. Ihr seid Fair Quottom. Das ist so was wie Quoten-Fairness. Ein paar Jungs aus gutem Haus, die Pseudointellektuelle sind, die einfach nur gut aussehen wollen, aber aus Stein sind. Nur Anarchisten haben guten Sex. Ihr Goldfische. Aber darum geht es gar nicht. Es geht darum, dass es das wahre Leben nur mit Poesie gibt.

 

Lang lebe die Anarchie. Lang lebe Rolandsky. Lang liebe Rolandsky alles was lebt. Ich liebe Euch.

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Self-Checkin, Self-Checkout, E-Banking, E-Tickets: Alles muss man selber machen. Dabei sollte der Kunde doch König sein und nicht noch für dumm verkauft werden.

In meinem Coop kann ich nun auch per Self-Checkout bezahlen. Es geht schneller als wenn ich an der Kasse anstehe. Ich kann die Produkte gleich wieder einpacken und gewinne Zeit. Und trotzdem bleibt ein fader Nachgeschmack. Dasselbe gilt für das Self-Checkin am Flughafen, das Selber-Geschirr-abräumen in der IKEA, beim E-Banking: Es ist zwar effizienter und schneller, aber ich fühle mich auch benutzt oder gar ausgenützt. Ich werde zum Mitarbeiter, obwohl doch der Kunde König sein sollte. Aber auch dann bleibt die Frage, weshalb denn das ein Problem darstellt, man trägt ja selbst auch Nutzen davon.

Mich persönlich nervt es, wenn ich für dumm verkauft werde. Wenn ich in der Zeitung lese, dass Coop und Migros keinesfalls danach streben, in nicht allzu ferner Zukunft alle Kassiererstellen durch  Self-Checkout-Automaten zu ersetzen. Es heisst nur immer: «Niemand wird entlassen!». Dabei lassen sie einfach Arbeitsverträge auslaufen und stellen dann keine neuen Mitarbeiter mehr ein, weil das Self-Checkout günstiger ist. Der eigene Kunde arbeitet und er bezahlt einen sogar noch dafür. Die einzigen Mitarbeiter, welche in Zukunft noch benötigt werden, sind diejenigen, welche beim Check-out helfen und gleichzeitig sicherstellen, dass man nicht klaut. Dasselbe gilt für das Self-Checkin am Flughafen, nur dass es dort irgendwann gar keine Mitarbeiter mehr braucht, weil die Möglichkeit des Stehlens nicht besteht.

Mich nervt diese künstliche Transparenz. Dieses künstliche Getue, als seien diese Firmen deine besten Freunde und wollten nur das Beste für dich. In diesem Bereich ist die IKEA der absolute König: Kaum ein anderes Unternehmen kann einem so das Gefühl vermitteln, verstanden zu werden. IKEA hilft dir in allen Bereichen. IKEA erklärt auch immer alles. Wenn ich das Geschirr im IKEA-Restaurant selber abräumen muss, steht auf einem Schild geschrieben: «Warum sollte ich meinen Tisch abräumen? Bei IKEA zahlt man am Anfang weniger fürs Essen, weil man sein Geschirr danach selbst aufräumt. Mit dem Aufräumen Ihres Tabletts helfen Sie uns auch weiterhin, die Preise niedrig zu halten. Es ist so einfach. Herzlichen Dank.» – IKEA entführt einen aus der Welt der moralischen Bedenken in die Welt des unbedenklichen Konsums. Wegrationalisierte und unterbezahlte Mitarbeiter oder die Frage, weshalb diese Möbel so verdammt günstig sind und wer dafür büssen muss, stellen sich in der Welt des Konsums nicht, hier zählt nur mein vermeintlicher Vorteil. Ich habe weniger bezahlt, also habe ich gewonnen. Und ich muss kein schlechtes Gewissen haben, denn ich hab ja meinen Teller selber abgeräumt, die Möbel selber zusammengebaut.

Auf der gleichen Ebene läuft das beim E-Banking oder bei Ticketportalen: Man wird immer wieder dazu aufgefordert, die Geschäfte elektronisch abzuwickeln. Damit man aktiv hilft, die Papierverschwendung zu verringern. Wer nicht mitmacht und sich die Steuerunterlagen oder die Tickets per Post nach Hause schicken lässt, ist mehr oder weniger ein Ökoterrorist. Hier wird einfach so getan, als wäre alles nur zum Wohle der Umwelt, dabei geht es nur um Nutzenmaximierung. Es braucht keine Filialen mit Mitarbeiter mehr, man muss keine Briefe mehr verschicken, wenn der Kunde elektronisch alles selbst erledigt. Der Kunde wird zum Mitarbeiter und dabei wird so getan, als würde man dem Kunden einen Gefallen tun. Und der Kunde fühlt sich gut, weil er per E-Banking die Umwelt rettet. Effizienzsteigerung geschieht unter dem Deckmantel der Nachhaltigkeit.

Aber man soll mich nicht falsch verstehen: Ich mag ökologisches Denken. Ich mag auch Effizienz. Aber ich mag es nicht, wenn man mir die eigentlichen Beweggründe verschweigt und stattdessen Scheingründe auftischt, nur damit ich mich besser fühle. Echte Freunde machen so etwas nicht, denn Ehrlichkeit ist die Basis jeder wahren Freundschaft.

 

Autorenbeschrieb: Marco Büsch ist Stadtzürcher, politischer Student und Besitzer eines kleinen, aber feinen Blogs: marcobuesch.wordpress.com

«Wir mögen Greenpeace, WWF, Supermärkte ohne Verpackungen, Vegan, Vegetarisch und Slowfood. Aber kaufen unsere Schuhe auf Zalando, fliegen mit Easyjet an eine Party in Berlin und nehmen vier Plastiksäckli im Coop. Und hin und wieder ein Cheeseburger im Mac nach einer durchfeierten Nacht hat noch nie geschadet.»

Die Aufforderung zu dieser Kolumne hat mich glücklich gemacht. Weil mich dieses Thema umtreibt und ich jeden Tag in meinem Umfeld diese Debatte führe. Und auch weil ich für mich sagen kann, ja, ich bin konsequent und lebe, was ich politisch fordere. Strike! Leider interessiert’s politisch niemanden.

Konkret: Ja, ich bin Mitglied bei WWF und Greenpeace. Ja, ich versuche in Supermärkten ohne Verpackungen einzukaufen, was nicht so einfach ist in der Schweiz. Vegan bin ich nicht, esse Fleisch vom Biohof Heimenhaus, da weiss ich genau von wo die Tierli sind und Slowfood – naja, mit einem Kleinkind gibt’s glaubs nichts anderes, oder?

Und nein, ich kaufe meine Schuhe nicht auf Zalando, weil die nur Billiglöhne zahlen und keinen guten Arbeitnehmerschutz kennen und fliegen tu ich gar nicht. Im Mac war ich seit dem Rinderwahnsinn nicht mehr und habe das Vorhaben «gegen Multis hilft nur die KonsumentIn» immer in meinem Poschettli. Das heisst, ich kaufe auch nichts von Néstle, Unilever etc. – wenn es denn ersichtlich ist.

Die Frage ist nun wirklich: Warum finden alle so ein bisschen öko sein ist total hip, aber ich lebe, wie ich will?  Warum sagen alle im Gespräch, jaja, du hast schon recht, aber ich kann’s eben noch nicht grad ändern. Warum wählen viele die Grünliberalen und stehen nicht mal dazu? Genau das ist der Punkt. Es gehört zum guten Ton sich für die Umwelt einzusetzen und sich ökologisch und engagiert dafür zu äussern. Wenn es aber um Verzicht geht oder um Konsequenz sind wir doch Luxuskinder und das Angebot ist zu gross und Geld haben wir auch genug. Warum sollte ich diese Peperoni nicht kaufen, welche mich da so schön anlacht in der Auslage. Sie ist ja eh schon da. Und saisonal kochen kann ich ja dann morgen mal. Warum sollte ich auf eine Woche Wärme verzichten, wenn das Angebot für die Seychellen so billig und verlockend ist. Und warum sollte ich Velofahren, wenn ich doch so ein cooles Auto habe?

Weil es um deine Lebensgrundlage geht, f***. Weil du nur dank sauberer Luft, sauberem Wasser und gesunden Lebensmitteln überleben kannst. Und weil kein anderes Lebewesen auf dieser Welt so dumm ist und sich seinen eigenen Lebensraum zerstört. Und weil du die Macht hättest, mit kleinen Veränderungen, extrem viel zu verändern.

Beginn jetzt und leg das Kotelett zurück ins Regal.