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Wenn du weisst, was Gentrifizierung ist, bist du Teil davon. Wirklich? Ich könnte ja auch auf einem Biobauernhof in Illnau-Effretikon wohnen und trotzdem wissen, was das heisst. Ich könnte eine Lehre als KFZ-Mechaniker abgeschlossen haben und meinen sieben Schweinchen Möhren verfüttern, während ich im Stall aufmerksam das Echo der Zeit höre. Ich könnte ein guter Zuhörer sein und die Radio-Reportage über die Aufwertung im Kreis 4 in Zürich förmlich in mich aufsaugen. Ich könnte mich nach getaner Arbeit auf meine Veranda setzen, könnte mir eine Brissago anstecken und paffend über dieses seltsame Wort nachdenken. Gentrifizierung, was soll das? Ich würde nachdenken über die seltsamen Menschen, die sich in schäbigen Quartieren zu exorbitanten Preisen zusammenpferchen, zwischen Nutten und Dealern, nur um sich lebendig zu fühlen – um sich überhaupt zu fühlen. Ich würde mich wundern über meine Altersgenossen, die in zu engen Hosen an der Langstrasse herumtingeln, einen hippen Schuppen nach dem andern fluten, sich bittres Züri-Bier in ihre Bäuche schütten und sich danach in den Seitengassen in ihre aufgewerteten Löcher zurückziehen, für die sie exorbitante Mieten bezahlen. Ich würde nachdenken über die, die da ihren Rausch ausschlafen und sich mit übersäuerten Mägen in ihren Pritschen wälzen, wo noch vor drei Jahren Huren ihre Freier bedienten.

Trotz schmerzenden Köpfchen und windenden Därmchen denken sie: Das ist Leben!

Sie, diese Germanistikstudenten, diese Philosophinnen, diese werdenden Architekten, sie, die Ethnologen, Biologen und Anthropologen, sie sitzen auf ihren lottrigen Ikea-Möbeln und trinken lumpigen Kaffee aus einer Bialetti. Trotz schmerzenden Köpfchen und windenden Därmchen denken sie: Das ist Leben! In diesem Quartier sind noch die wahren Abgründe der menschlichen Existenz zu sehen. Hier knallt’s eben noch ordentlich. Hier ist noch nicht alles tot wie in den anderen Vierteln dieser Stadt. Ich bin am Brennpunkt, ich hab’s eben gecheckt. Sonst gibt es ja nur Banker und überreglementierte Pärke. Aber hier, hier pulsiert noch das Leben, und ich bin dabei, hurra. Ich bin stolz darauf, dass das Gebäude, in dem ich wohne, vor drei Jahren in den Medien als Skandalhaus betitelt wurde. Vor drei Jahren, das heisst, vor der Sanierung, vor dem Induktionsherd und vor den schallisolierten Fenstern. Ich fühle mich lebendig in diesem Haus, wo sich früher Prostituierte mit ihren Zuhältern zofften und wo Junkies noch beim Nachbarn um Stoff bettelten. That’s real life, denke ich, irgendwie geil. Und trotzdem rege ich mich täglich über den Dealer im Parterre auf, den die Verwaltung nach der Aufwertung nicht aus dem Haus vertreiben konnte. Er empfängt die Kunden in seiner Wohnung, in unserem Haus! Ein Skandal, denke ich. Wofür bezahl ich denn so viel Miete? Und während ich mein Rührei verzehre, das ich zuvor mit Trüffelbutter angebraten habe, mache ich mir Gedanken über das Thema meiner Masterarbeit. Schreibe ich über Ruth Glass, Jürgen Friedrichs oder vielleicht doch über Mittelschichtsfamilien in urbanem Umfeld?

Ich könnte aber auch auf meiner Veranda sitzen, in Illnau-Effretikon, an meiner Krummen ziehen und den bissigen Rauch wieder aus meinen fröhlichen Lungen stossen. Gentrifizierung, würde ich denken, was für ein seltsames Wort. Wie spricht man das überhaupt aus? So wie’s dasteht oder eher neudeutsch mit «tsch»? Die Sprecherin im Radio sagte Gentrifizierung; der Städteentwickler aus Berlin, den sie interviewt hat, sagte Tschentrifizierung. Im Englischunterricht in der Berufsschule hätte ich dieses Wort noch nie gehört. Und trotzdem würde ich denken, man spräche es mit «tsch» aus, das passt einfach besser. Schliesslich werden nicht nur Quartiere aufgewertet, sondern auch die Sprache. Auch sie wird gentrifiziert. Während von fern die Schweine schreien, würde ich mich fragen, warum zum Teufel die Studenten und Urbanen, diese Yuppies und Yolos, die Randständigen aus ihren günstigen Wohnungen vertreiben. Ich würde mich fragen, warum sie in den Städten Quartier um Quartier das Leben aushauchen, bis nichts mehr da ist. Vielleicht hätte ich darauf eine Antwort. Doch in diesem Moment würde ich spüren, wie es langsam heiss wird auf meinem Liegestuhl. Die Abendsonne hat auch im August noch eine unglaubliche Kraft, würde ich denken. Die Brissago ginge aus. Ich würde sie auf den Kompost werfen und ins Haus gehen, in dem es nach Tier und Heu riecht.

Aber nein, ich sitze in meiner aufgewerteten Hütte im Kreis 4, dem ehemaligen Skandalhaus, und frage mich, ob es stimmt, was sie sagen. Dass ich ein Teil der Gentrifizierung bin, wenn ich weiss, was das bedeutet. Während ich darüber nachdenke und weiter lumpigen Kaffee aus der Bialetti in mich hineinschütte, schweife ich ab. Ohne eine Antwort auf irgendetwas zu haben, verlasse ich das Haus und bestell mir an der schäbigen Imbissbude im Bermudadreieck eine Currywurst. Schon geil hier, denke ich. Würde nur endlich jemand was gegen die verdammten Dealer unternehmen.

 

Florian Schoop, studiert Germanistik im Master und schreibt nebenbei für die NZZ und die Zürcher Studierendenzeitung (ZS).

 

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eine perspektive

 

Das ist natürlich ein Missverständnis. Sich bei der Stadt zu beschweren wäre unsinnig, denn bei der Gentrifizierung handelt es sich um das neuste Präventionsprogramm gegen Fettleibigkeit: Haltet das Volk in Bewegung!

Ein Präventionsprogramm, übrigens, des Bundesamtes für Gesundheit. Dass Herr Werder, der diese Gentrifizierung so vehement verteidigt, also auch bei diesem Bundesamt zu arbeiten scheint, wo er als Liberaler doch gegen den Staat ist, überrascht mich positiv – auch wenn ich es nicht verstehe.

Aber wer versteht sie schon alle, die Leute. – GEN-tes: Das sind die Leute, Frau Trede, und um diese geht es doch, nicht? Bekennen sie sich also zu den Leuten und zwar zu allen, statt ihre kleine Idylle zu pflegen! In Ihren Angaben zur Person steht schliesslich, dass Sie über Politik schreiben würden: Ist Biedermeiertum auch Politik oder sind Sie am Ende doch zu den Rechten übergelaufen? Seit Ecopop weiss man bei den Grünen ja nicht mehr so genau…

Klärend ist dagegen, dass man von Hans Reiser endlich einmal erfährt, woher das Wort Gentrifizierung eigentlich kommt. Ladies and Gents, that’d be you! Gentry: Gehobenes Bürgertum und niederer Adel.

Erleichternd ist auch, dass die Spinnerei endlich ihrem Namen gerecht werden kann: Dafür musste sie auch dreissig Jahre leer stehen. Aber ein bisschen crazy zu sein, ist heute ja auch in, nicht wahr, du gefesselter und geknebelter Zettelschreiber? Ob es ihn überhaupt je gegeben hat, den Fetischisten? Wunderbare Fiktion, grossartige Weltliteratur.

Immer noch besser als diese hübschen literarischen Beiträge zwischendurch: Besonders dann, wenn die Ho?nung durch ein unscheinbares Fragezeichens in Frage gestellt wird. Wer das wohl zu verantworten hat? Ist das Kunst, hat das einen tieferen Sinn oder… Vielleicht ist das ja ganz treffend: Hoffnungslos ist die Sache mit der Gentrifizierung auf jeden Fall, mystische Erlebnisse beim Hören von Taubengesängen hin oder her.

Hätten sich der Literat und der Gemanistikstudi doch früher getroffen. So wäre da noch etwas möglich gewesen. Eine fundierte Analyse semiotischer Art vielleicht. – Eine Brissago jedenfalls wirft man sicher nicht auf den Kompost, da sie ein Mundstück aus Plastik hat. Heutzutage verwendet man wohl kaum mehr Strohhalme dazu. Als KfZ-Mechaniker mit Biobauernhof in Illnau wäre der Schoop mir lieber gewesen.

Dafür: Ein Dialog mit einem Haus, das ist immerhin einmal eine Idee. Chapeau, der Herr – aber er ist ja auch kein Germanist. Obwohl: Der Dialog bleibt dann inhaltlich doch beim altbekannten same, same but different. Wie fühlt sich denn so ein Haus? Wo bleiben die juicy bits?

Herrlich – fast wie der Witz. Klopft einer beim Uhu an die Tür, öffnet der Hai. «Isch dä Uhu dähai» – «Nei: Ich bi dä Hai.» Einfach toll. Gentrification, Gendrification, Goldfisch, Schnecke, Goldfisch im Schneckenhäuschen. Landschnecke im Aquarium. Berührungsängste oder nicht: Alles Gold. Kurz und bündig.

Und dann wird‘s plötzlich doch noch lang, lang, lang… Über drei Seiten hinweg endlich einmal der Versuch einer investigativen Reportage. Yes! Das nenne ich doch einen Gewinn und wirklich eine neue Perspektive oder eben einen Perspektivwechsel (Allerdings ist dieses Wort gemäss Duden eher selten, vielleicht altmodisch, und ein Perspektiv ein Fernrohr. Lustig sich vorzustellen, wie die Reporterinnen im koscheren Supermarkt unterschiedliche Fernrohre testen. Verkaufen die dort auch sowas?).

Und dann bleibt’s lang. Schon wieder drei Seiten. Langer Rede kurzer Sinn: Weltstaat und folglich world peace. Endlich einmal. Danke, Fionn Meier. Oder habe ich das missverstanden und die Sache wäre doch eher anthroposophisch anzugehen?

Einiges missverstanden hat wohl auch Kata. Kata, Kata, Kata… Ob die Triade RAV-Sozialamt-Universität Zürich wirklich Produzentin von Arbeitslosigkeit und Armut ist? Fakt ist aber: Auch im Lande Schweiz wäre trotz Idylle noch einiges besser zu machen, nicht wahr Frau Trede?

Denn wir stehen bestenfalls an der Pforte zum Himmel und werden wohl noch lange klopfen müssen. Daher: Knockin‘ on Heaven‘s Door als Percussionversion. Klopf nur weiter Djembeman – einfach herrlich, lieber Laurin, einfach herrlich. Fast so gut wie Rolandsky, wenn du nur den Liedtitel richtig geschrieben hättest. So mit zwei Apostrophen und Grossbuchstaben und so…

 

Mit herzlichen Grüssen

F. S., Der Biobauer vom Bubenberg, 8890 Flums

 

P.S. «Ging es in dieser Ausgabe tatsächlich nie um Sex?» – «Nein, nein, da war doch dieser Fetischist.»

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- Was bedeutet Gentrifizierung für Zürich?

- In welchem Spannungsfeld stehen sich Wirtschaft und Kultur in einer sich rapide entwickelnden Stadt wie Zürich gegenüber?

- Wie soll sich eine Stadt entwickeln? Was bringt die Gentrifizierung für Vor- und Nachteile? Braucht es einen guten Bevölkerungs-/Mieter-mix? Wenn ja wie sieht dieser aus? In welchem Spannungsfeld befinden sich Zwischennutzungen?

- Wie hängt Stadtentwicklung mit aussenpolitischen Themen wie Migration, internationale Wirtschaft, Bildungs- und Kultur-aussenpolitik zusammen?

foraus-Zürich und dieperspektive laden zu einem Podium mit

Anna Schindler (Direktorin Stadtentwicklung)
Carmen Walker Späh (FDP)
Mämä Sykora (Verein Zitrone)

ein, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen.

Komme vorbei, wer Lust und Laune hat!

Eintritt 5.- Fr (für dieperspektive-Abonnomenten und foraus-Mitglieder gratis)

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Beim Duell stehen sich in jeder Ausgabe Peter Werder und ein Mitglied der Redaktion zum aktuellen Thema der Ausgabe gegenüber. Heute: Gentrifizierung.

 

16.04 Peter Werder

Mussten Sie auch fest «brüele», als die Labitzke-Areal-Blase platzte?

16:06 Simon Jacoby

Naja, «gebrüelet» habe ich nicht, aber schade ist es schon, dass einer der kreativsten Orte der Stadt plötzlich nicht mehr existiert.

16:08 Peter Werder

Das stimmt. Kreativ war der Ort. Wieso mieten die Leute denn jetzt nicht ein eigenes Areal? Oder ist es dann nicht mehr lustig, wenn man es legal besitzt? Ist es dann - huiiiiiiii - nicht mehr kreativ? Man kann sich ja dann immer noch als Yeti verkleiden und auf die Hohlstrasse hocken. Oder sich einbetonieren.

16:11 Simon Jacoby

Das mit dem einbetonierten Arm ist übrigens eine Erfindung der Stadtpolizei. Der junge Mann hat sich nur festgehalten. Klar, sie könnten auch was mieten, wie in der Zitrone in Altstetten. Aber selten klappt das. Auch die mussten auch vor Kurzem ausziehen, weil das Haus umgebaut wird. Das Problem: Was diese Leute in diesen Freiräumen machen, bringt meistens kein Geld ein. Darum ist es schwierig mit der Miete. Diese steigen ja bekanntlich dauernd an. Nicht wegen den Mietern…

16:13 Peter Werder

Doch. Erlauben Sie mir einen kurzen ökonomischen Einschub: Mieten steigen, weil die Nachfrage an einem bestimmten Ort steigt. Das nennt man Markt – dort, wo sich Mieter und Vermieter treffen. Gewisse Quartiere sind begehrter als andere, darum sind da die Mieten höher. Also nochmals die Frage: Wieso mieten die Leute vom Labitzke-Areal nicht ein anderes Areal – vielleicht an einem Ort, wo es günstiger ist?

16:15 Simon Jacoby

Erlauben Sie mir eine Gegenfrage: Wollen Sie eine Stadt, die nur aus wohlhabenden Menschen besteht? Kaum, darum braucht es solche Orte, die ohne viel Geld möglichst viele schräge Dinge machen. Zudem: Markt hin oder her. Es ist eine Sauerei, dass der Markt die Bewohner der Stadt vor sich hertreibt. Wem gehört Zürich? Nicht dem Markt. Den Menschen. So sollte es zumindest sein.

16:21 Peter Werder

Der Markt treibt die Bewohner nicht vor sich her – oder sehen sie verlassene Häuser? Dass die Attraktivität einzelner Quartiere zunimmt und damit die Preise in die Höhe treibt, gehört zum Zyklus einer Stadt und die Stadt wiederum ist Teil eines überregionalen Zykuls. Das kann auch mal in die andere Richtung gehen – und die Mieten sinken wieder.. Die Stadt «gehört» politisch gesehen zum Kanton Zürich und damit zur Schweiz – und das Land gehört jeweils denen, die es besitzen. Wo liegt das Problem? Haben wir zu viele Obdachlose?

duell

16:24 Simon Jacoby

Meinen Sie das eigentlich ernst, was Sie da von sich geben? Doch, der Markt treibt die Mieter vor sich her. Und verschärfen zudem das Platzproblem – Dichtestress und so… Natürlich werden nicht alle Mieter vertrieben, aber die, die sonst schon eher kürzer kommen. Beispiel Idaplatz: Vor wenigen Jahren gab es da noch günstige Wohnungen. Heute kostet eine 2,5-Zimmerwohnung gut und gerne 3000 Franken. Das ist doch ein Witz.

16:31 Peter Werder

Stimmt. Das ist zu viel. Würde ich nie bezahlen. Also suche ich mir da keine Wohnung. Ich verstehe ihr Problem nicht. Wollen Sie unbedingt, dass ein Soziologiestudent im 48. Semester im Seefeld eine 5-Zimmer-Wohnung kriegt?

16:35 Simon Jacoby

Nein, natürlich nicht. Oder nur so halb. Wo bleibt der gutschweizerische Kompromiss? Es geht doch um die Mischung. Auch bei der Mieterschaft. Häuser dürfen keine Spekulationsobjekte sein. Die Marktkräfte sind zu extrem.

16:48 Peter Werder

Waren Sie eigentlich schon mal im Ausland? Da würde ich Ihre Gentrifizierungs-Panikmache verstehen. In gewissen Grossstädten gibt es unsinnige Ghettos – sozialer Bias in allen Richtungen. Aber doch nicht in Zürich! Und: Selbstverständlich müssen Häuser mit Gewinn verkauft werden können. Nur so funktioniert der Markt. Aber ich weiss, Sie halten Menschen, die für den Staat arbeiten, immer für fähiger als die andern. Darum weiss es der Staat ja auch immer besser. Darum sollte der Staat die Gewinne verbieten und mit hohen bürokratischen Kosten die Einhaltung solcher Vorschriften kontrollieren. Somit fliesst dann ein allfälliger Gewinn einfach zum Staat. Weil das Geld da besser aufgehoben ist. Stimmt’s?

16:51 Simon Jacoby

Bleiben Sie doch bitte bei der Sache. Wir könnten ja jetzt schon vorbeugen und da eingreifen, wo es in absehbarer Zeit knallt (oder es jetzt schon tut). Wir müssen doch nicht warten, bis wir Ghettos haben. Wer kam eigentlich auf die unsinnige Idee, Boden zu verkaufen? Oder zu sagen: Das gehört jetzt mir. Dort beginnt nämlich das ganze Übel der Gentrifizierung.

16:54 Peter Werder

Es knallt nicht, wenn sie nicht mit ihren «Psetzerli-Kollegen» ein Problem bewirtschaften, dass es gar nicht gibt. Ich glaube, Sie führen hier eine Stellvertreterdiskussion, denn es geht Ihnen um etwas völlig anderes: Wollen Sie überhaupt noch, dass man Eigentümer von Boden sein darf?

16:59 Simon Jacoby

Wenn der Bodenbesitz dazu führt, dass sich viele die Miete nicht mehr leisten können, dann nein. Das ist ja so ein Ding mit den Zwangskonsumgütern: Wasser, Luft, Boden, Essen. Wer damit spekuliert, hat einen Schaden.

17:10 Peter Werder

Wer das in Frage stellt, hat das System nicht verstanden. Wenn man nicht mehr Eigentümer von Boden sein kann, wenn es nicht mehr möglich ist, frei darüber zu verfügen, darauf zu investieren (was Gewinne voraussetzt), den Wohnort zu wechseln und dabei eine gewisse Auswahl zu haben, dann sind wir in einem Big-Brother-System. Wo ist nur Ihr Sinn für Freiheit geblieben? Was glauben Sie denn, wer für Bodenzuteilungen zuständig sein wird – der gute, liebe Beamte aus Ihrer Bilderbüechli-DDR mit treuem Hundeblick und selbstgestricktem Öko-Pulli?

17:14 Simon Jacoby

Freiheit, ein grosses Wort, Herr Werder. Grad Ihre FDP vergisst leider je länger je mehr, was das bedeutet (klar, es gibt auch viele unsinnige Definitionen). Freiheit herrscht dann, wenn jeder tun und lassen kann, was er will. UND: ER DANN AUCH DIE KONSEQUENZEN TRÄGT! Das ist das Gegenteil von: Ach, treiben wir doch die Armen aus der Stadt, mich betrifft’s ja nicht.

 

 

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Tagtäglich lesen und hören wir in den Medien über das Schicksal von Flüchtlingen, hier in der friedlichen, verwöhnten Schweiz. Das Maxim Theater hat sich einzelne Schicksale genauer angeschaut – und daraus ein Stück entwickelt. Ein Thema welches selten aktueller und brisanter war als heute.

Warum müssen Menschen ihre Heimat oder ihren Zufluchtsort verlassen und andere dürfen bleiben? Sechs Frauen sind auf der Flucht, kurz vor der Ausschaffung oder auf dem Weg in
ein besseres Leben. Sie finden sich in einer bedrohlich wirkenden, nicht einschätzbaren Situation wieder. Eingeschlossen und herausgerissen aus ihrem Leben. Fragen nach dem Warum, nach Schuld,Verantwortung und Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Leben führen sie unweigerlich auf die Suche nach sich selbst.

2. / 4. / 5. / 6. Dezember 2014, 20 Uhr im
Kulturmarkt Aemtlerstrasse 23, 8003 Zürich
Abendkasse & Bar ab 19 Uhr
8. / 9. / 10. Dezember 2014, 20 Uhr im
Kanzlei Kanzleistrasse 56, 8004 Zürich
Abendkasse & Bar ab 19.30 Uhr

 

Eintritt: 25.– / 15.– ermässigt

Weitere Infos auf www.maximtheater.ch

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Gendrification und Gentrification sind fast dasselbe. Gentrifikation ist einfach hart wegen dem t. Gendrification hingegen ist weich, wie der Mensch oder eine Schnecke. Der Mensch braucht Wärme und ein Schneckenhaus. Schön wohlig. Bei Gentrifikation ist es nur schön teuer. Schuld sind die Goldfische. Sie langen alles an und machen es zu Gold.

Zürich, ich liebe Dich. Hier hast Du mir die Liebe meines Lebens geschenkt. Hier will ich sterben. Aber es gibt Menschen, die halten das nicht aus. Es gibt Menschen, die können diesem spirituellen Kapitalismus nicht folgen. Alle sind Muggsmäuschen still. Am nächsten Morgen ziehen wir den blauen Blaser darüber. Den Chef müssten wir in die Luft sprengen. Das Gesetz. Es gäbe einen Umbau, eine Revolution.

rolandsky

Es ist nicht alles schlecht, wenn es eine Katastrophe gibt. Die Menschen sind viel schöner in der Katastrophe. Die sind 10 000 Mal schöner als diese aufgeschönte Schönheit. 1 000 000 Mal schöner. Viel mehr schöner. Mit schönen Lippenmuskeln.

Was ist eine Familie? Eine Familie sagt – ja, du gehörst zu uns, immer. Hier ist Dein Schneckenhaus. Hier ist Dein Geschlecht. Dein Haus ist die Macht ist die Herrlichkeit in Ewigkeit. Aber es gehört nicht Dir, Schnecke! Das Haus gehört nämlich uns. Wir sind hier die Schnecken, sagen die Goldfische.

Das Problem ist, beide sagen es. Die Schnecke und der Goldfisch sagen, ich bin die Schnecke. Aber das geht nicht.

Das ist meine Schnecke. Ich bin es und ich bleibe.