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liebe feld-, wald- und wiesenfreunde

nachhaltigkeit. behauptet wird jedenfalls, es sei durchaus nachhaltig, wenn zum hunderttausendsten mal dieses thema aufgegriffen wird. aber man geht halt mit der mode (das hat auch der umweltstudi gemerkt). zudem hat dieperspektive aline trede als chef-kolumnistin. sie zeigt sich immerhin glücklich über das thema, weil die umwelt sie eben umtreibt. ansonsten sagt sie nichts. die sci-fi-perspektive entgeht ihr völlig. in hundert jahren leben wir alle in unserem vollautomatischen, abgeschotteten mini-ökosystem. scheiss auf mutter erde!

aber von vorne: die perspektivlosigkeit dieser perspektive verblüfft. ganz grundsätzlich wird einfach seite für seite die moralkeule geschwungen. schon beim editoral beginnts. „du musst dein leben ändern“ – rilke meinte das vor hundert jahren. alles nichts neues. änderung des lebenstils, eine frage der gewohnheit. richtig, sagt der raucher, versucht zum hundersten mal aufzuhören und steckt sich doch wieder eine zigarette an. so leicht ist’s einfach nicht. nachhaltigkeitswochen hin oder her.

die frage ist doch: wie ist unendliches wirtschaftswachstum auf einem kleinen planeten, wie die erde einer ist, möglich? wir sind das schwarze loch des universums und werden nach und nach alle planeten und alles, was es sonst noch so im universum gibt, fressen. logisch. die ressourcen werden uns über jahrmillionen nicht ausgehen. än guete!

völlig zurecht sagen die chinesen da: was umweltschutz. zuerst kommt der wohlstand. uns doch egal, was dabei draufgeht. – dem ist erst mal wenig entgegenzuhalten. zuerst also die soziale frage (ich bin auch für die gesundheit von baumwollbauern!) und die ist schwierig genug. schliesslich hat hierzlande auch kaum eine sau aus umweltschutzgründen für ecopop gesitmmt. trotzdem leuchtet ein silberstreifen am horizont. der pw (symbol des kapitalismus schlechthin) gesteht ein, dass kapitalismuskritik wichtig ist. das ist das einzige wirklich nachhaltige statement dieser ausgabe. schade, dass dies nun das letzte streitgespräch war. auf dieser grundlage hätte nämlich endlich etwas werden können. denn nicht nur die sozis vom schlage eines simon jacoby wollen geld durch zeit ersetzen, sondern auch die kreativen nachhalter in helsinki.

kreativität. fortschritt. bionik. ich haben nichts gegen schwimmhäute einzuwenden, vielleicht auch nur, weil ich heute im hallenbad war. ab ins wasser. in holland war ich zwar noch nie. aber so ein jar jar binks wäre doch ganz in ordnung, womit auch die sci-fi-perspektive (s. 13: was für ein geiler fötus) eingeholt wäre. wir befinden uns auf dem richtigen weg, äh im richtigen fahrwasser… oder schwimmwasser… oder so. (was wäre eigentlich der ökologische fussabdruck eines duracell-hasen? auch vorne zwei kleine und hinten zwei grosse pfoten?)

so far, so good. immerhin schienen die artikel nicht von hasenfüsen geschrieben. aber dann kommt die heulsusenfraktion mit künstlerischen ambitionen doch noch, wie üblich. ist halt unsere welt: assonanz-schnick-schnack. kugelschreiber – ruhemeider. (germanistikstudi?) sci-fi verdammt nochmal SCI-FI! stattdessen lallt einer von irgendeiner lalternativen hippie-kacke-welt. in einer alternativen welt wäre ich glücklich. pech, leben wir nicht in einer alternativen welt. ich  verstehe sehr gut, dass es fast nicht zu verkraften ist, wenn man von seinen besten freunden – migros und coop – belogen wird. schniff. gib doch deine cumulus- und deine supercard ab. zeig’s den schweinen so richtig. ach, stimmt. die hängen ja schon tiefgefroren im regal – bei migros und coop. auch rolandskys these leuchtet kaum ein: nur anarchisten haben guten sex. sex sells auch im kapitalismus (übrigens meint das auch dieperpsketive, zum x-ten mal: sex in jeder ausgabe). schlechter sex, dafür viel? ich weiss es nicht. schwamm drüber. go fuck yourself man with your poetry-love-goldfish-(und was ist der ökologische fussabdruck eines goldfischs?)-i’m-upset-because-of-some-rich-kids-giving-me-the-shit-shit. (auf seite 20 gibt’s übrigens ein gedicht. nett.)

so genug gejammert. die grandiose lösung zu allem: bewusstsein fördern (endlich begreife ich einmal mein tomatenverhalten. danke für das flussdiagramm.). rauchen ist scheisse, voll bewusst. ich rauche trotzdem. also legen wir uns alle auf eine wiese im sommer, rauchen ein wenig von diesem und schlucken ein wenig von jenem, erweitern unser bewusstsein und machen so einen auf pacha mama.

schlaf also gut, laurin. bis im sommer auf der wiese, wenn es die dann noch gibt. ceterum censeo: norbi hochholt, ganz deiner meinung (vgl. nach-knall januar 2015).

 

mit nach-hall-tigen grüssen

der förster

 

p.s. noch mehr sex, so wie nachhaltig, in jedem ausgabe, wegen konsequent und so. ich so, lese: gegenteil von umwelt so, ist in-welt, in in-welt von deine freundin, man, da bin ich oft – eh, alder,  was laberst, du bist in meine freundin? scheiss witz, man. kannste kippen redaktion. echt eh. aber dann so meine freundin. is‘ konkrete kunstfigur, man. dem scheissern tut nur so. dem meint gar nicht ernst. war voll nicht in mir, haste nicht kapiert. ich so, voll man. stimmt, eh, krasse sache. trotzdem scheisswitz.

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Raffael Gasparini kommt aus der Snowboard-, Skate-, Surfbranche: Er war Einkäufer in Trendläden. Als er die Machenschaften der Textil-branche und Grosskonzernen zu hinterfragen begann, konnte er nicht mehr anders als auszusteigen. Vor sechs Jahren eröffnete Raffael seinen eigenen Kleiderladen « auras fair & style store ». Das Konzept: alle Kleider müssen nachhaltig sein.

dieperspektive: Warum hast du einen nachhaltigen Kleiderladen gegründet?
Raffael Gasparini:
 Früher als Einkäufer für Trendstores habe ich Kleider ausgepackt, und mir begannen die Augen zu Tränen vor lauter Giftstoffen. Manchmal waren die Shirts noch feucht und man musste die Mittel mehrere Tage verdampfen lassen. Ich dachte mir, das kann doch nicht sein. Die Textilindustrie richtet viel Leid an. Extrem viele Bauern erkranken schwer an allen diesen Giften. Nach zehn bis fünfzehn Jahre sind die Anbaugebiete so verseucht, dass die Firmen die Länder verlassen. Bei diesem Business wollte ich nicht mehr mitmachen.

Du bezeichnest dich als Pionier der fairen und modischen Bekleidung in der Schweiz. 

Wir waren der erste Fashion Trend-Laden, der 100 Prozent nachhaltig ist. Vorher gab es Läden wie Claro und so weiter – diese Kleider waren aber auch optisch öko.. Unsere Idee war es, Kleider zu verkaufen, die nicht nach Bio aussehen. Vor knapp sechs Jahren als ich den Laden eröffnete fand ich nicht einmal genügend Kleider, die unseren Kriterien entsprachen. Der Laden war halb leer.

Hast du damit auch einen aufkommenden Trend bedient?
Anfangs dachte ich, in einem Jahr machen das alle Brands. Darum wollte ich sofort eröffnen, um nicht zu spät zu sein. Damals glaubte ich, in ein paar Jahren gibt es nur noch nachhaltige Produkte. Das war eine grobe Fehleinschätzung. Langsam beginnt das Interesse an faire Textilien zu steigen. Es ist nicht so, dass wir schon viel Gewinn machen – seit einem Jahr lebe ich immerhin am Existenzminimum. Die fünf Jahre davor war ich drunter.

Biologisches und regionales Essen ist schon längst verbreitet. Bei der Bekleidung hingegen gibt es wenige Produkte von grossen Anbietern. Woran liegt es, dass die Leute sich nicht besonders darum kümmern, wie fair ihre T-Shirts sind?
Ich glaube viele Menschen sind da etwas egoistisch. Beim Essen betrifft uns Bio persönlich. Wir bezahlen etwas mehr, um keine Giftstoffe zu essen. Die Gesundheit der Bauern und die Umwelt sind dabei zweitrangig. Viele denken Textilien, die mit Pestiziden produziert wurden, schaden uns als Person nicht. Das ist aber falsch. Da besteht ein Mangel an Information.

Was genau verstehst du unter fairer Bekleidung?
Wir verkaufen auch recyclete Mode, dort sind die Ursprungs-Stoffe dann zum Teil nicht Bio, aber nachhaltig ist das Produkt trotzdem. Ich habe fünf transparente Kriterien für meinen Store. Alle unsere Produkte müssen eines dieser Kriterien erfüllen, wobei mittlerweile 95 Prozent der Kleider das Kriterium Bio erfüllen. Aber konkret: Unsere Produkte sind Fairtrade, Recycling, Marken die an soziale Projekte gekoppelt sind, Seconhand und eben Bio.

Wir kaufen in der Schweiz Kleider von internationalen Marken, welche zu Bedingungen produzieren, die in der Schweiz nicht erlaubt sind wie Kinderarbeit und Umweltvergehen. Müsste man da eine gesetzliche Grundlage schaffen, damit solche Produkte nicht mehr verkauft werden dürfen?
Das finde ich eine super Idee. Beispielsweise könnte man den Zoll auf zertifizierte Produkte aufheben. Aber es geschieht genau das Gegenteil. Das ist doch absurd. Aber der Filz verdient nun mal an den Entwicklungsländern. Darum passiert gar nichts.

Nike plant gemäss ihrem Report eine nachhaltige Firma zu werden. Was hältst du davon, wenn sich grosse Unternehmen, die jahrelang wegen schlechten Arbeitsbedingungen in den Schlagzeilen waren, sich plötzlich öko und sozial geben?
Diese Unternehmen funktionieren nur nach Profit. Wenn sie nachziehen mit der fairen und nachhaltigen Produktion, dann begrüsse ich es natürlich. Mir geht es um die Sache. Was jedoch wirklich schade wäre, wenn uns die Grossen dann die Ressourcen wegnehmen. Denn das Angebot an fairen und biologischen Rohstoffen ist ja noch immer sehr beschränkt. Für alle kleinen und nachhaltigen Läden wäre das ein Horrorszenario.

Wie lautet deine Prognose für die nächsten fünf Jahre bezüglich fairer Bekleidung in der Schweiz?
Ich glaube, es entwickelt sich eine stabile Kundschaft für diese Produkte. Die Einsicht wird kommen, aber das braucht seine Zeit.

Hast du weitere Pläne mit deinem Laden?
Ich eröffne möglichst bald einen Online-Shop. Auch wenn mir das von der Philosophie her etwas widerstrebt. Aber hey, ich habe dafür extra ein Firmenkonto bei einer nachhaltigen Bank gemacht, sowie einen Hoster gefunden, der seine Server mit Solarstrom betreibt.

Wer kennt sie noch, die Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch, die Mogli mit ihren hypnotisierenden Augen in ihren Bann zieht, und ihn nach ihrer Pfeife tanzen lässt? Und jene andere Schlange,  damals, im Paradies, die Eva dazu verführte vom Baum der Erkenntnis zu essen? Genau so versucht sie uns heute immer wieder vom nachhaltigen, ethisch korrekten Leben abzuhalten. Wer denkt, die Schlange habe nichts mit Nachhaltigkeit zu tun: Bitte nochmals das Cover dieser Ausgabe anschauen (aber nicht zu tief in die Augen!) – Und, die Schlange entdeckt? Perfid wie sie ist hat sie sich in einen orangen Flugzeugsicherheitsgurt verwandelt. Die orange Fluggesellschaft kennen wir alle.  Wir sind alle immer wieder kleine Moglis und Evas, die der verführerischen Schlange widerstehen müssen.

Fährst du ins nahe Ausland, nimmst du natürlich den Zug. Die Schlange will dich davon abhalten: “Nimm doch das Flugzeug statt den Zug, ist doch viel schneller, und erst noch billiger!” Deine Fairtrade-Sneakers kaufst du im netten, kleinen, unabhängigen Kleiderladen. Aber Halt!, sagt die Schlange: “Du musst doch jetzt nicht extra in die Stadt nur wegen einem Paar neuen Schuhen! All die zigtausend Leute dort! Zalando hat ja alles und ist immer da wo du und dein Internet sind!” Das Poulet, das du kaufst, ist Bio und regional. Beim Fleischkaufen hast du sowieso immer ein schlechtes Gewissen im Hinterkopf. In Form eines orangen 50% – Klebers auf dem Poulet aus slowenischer Massentierhaltung versucht dich die Schlange auch davon abzuhalten. Immer und überall versucht sie dich davon abzuhalten, nachhaltig zu leben!

Mantraartig murmelst du zu dir selbst: “Muss nachhaltig leben, nachhaltig leben, nachhaltig leben, darf der Versuchung nicht nachgeben, nicht nachgeben, nicht nachgeben. Ich geb nicht nach, ich geb nicht nach, ich geb nach-HALT!-ig leben, nachhaltig leben…” Grad nochmal gut gegangen.

Ja, ein nachhaltiges Leben zu führen kann anstrengend und teu(r)er sein. Aber es muss nicht. Der Versuchung zu widerstehen ist meiner Meinung nach vor allem Kopfsache und zu einem grossen Teil eine Frage der Gewohnheit. Aus ethischen Gründen nachhaltig zu leben erfordert auch den Glauben daran, als einzelner Konsument, als kleines Rädchen im System, etwas zur Veränderung beitragen zu können. Wer diesen Glauben nicht hat, der soll sich von der Nachhaltigkeit an der Nachhaltigkeitswoche an diversen Zürcher Hochschulen vom 2.-6. März überzeugen lassen (siehe Seiten 21-24). Insbesondere der Thementag zu “Faulheit”, an dem unter anderem eine “feierliche 24-Stunden-Siesta” begangen wird, sollte auch die letzten Zweifler von der stressfreien und gesunden Seite des nachhaltigen Lebens überzeugen. Wir meinen: Statt uns von Kaa verführen zu lassen, probieren wir’s lieber mit Gemütlichkeit – aber viel Überzeugung.

 

Für die Redaktion

Marius Wenger

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Ich zippe an meinem Beruhigungstee, den ich für 5.70 CHF kurz vor dem Boarding gekauft habe, nehme einen Zug von meiner E-Zigarette mit Mürre-Aroma und geniesse meine «zusätzliche Beinfreiheit». Endlich schlafen! Ich lasse die Sichtblenden runter (Europa sieht nachts von oben doch eh überall gleich aus), lege mir mein Nackenkissen zurecht, Ohropax rein, Schlafmaske über die Augen – und es kann losgehn.

Aus der Ferne höre ich noch die beruhigenden Sicherheitshinweise von Didier (Von MO bis DO ist er jeweils Chef de cabine, ab Freitag übernimmt dann die liebe Sonja. Ich bin mit beiden per Du. Die ganze Menschheit ist mit Didier und Sonja per du, ob man nun will oder nicht). Ich döse langsam weg, der müde Körper freut sich über die summende Geräuschkulisse und mit dem Hochfahren der Triebwerke spüre ich gerade noch, wie sich mein Atem senkt und sich meine tiefsten Schnarchgeräusche in den Rhythmus des Geratters legen.

Naja, und dann schlafe ich drei, vier Stunden durch. Da kriegt mich dann auch keiner wach. Klar, als starker Schnarcher kann man in diesem Fall von purem Egoismus reden, aber was soll ich sagen? Ich kann mich nun mal nur beim Fliegen richtig entspannen. Und ich stecke Didier und Sonja genug Trinkgeld zu, als dass die irgendwas unternehmen würden, wenn sich mal wieder jemand beschwert.

Seit ich meine Wohnung aufgegeben habe und meine Nächte im Luftraum über Osteuropa verbringe, sind meine Schlafstörungen endlich weg. Ich habe alles probiert: die krassesten Schlafmittel,  diverse Therapieformen, saunieren, Globulis, ätherische Ölwickel, Sport… Alles! Aber nichts hat so sehr geholfen, wie der sanfte Schlaf in 3000 Meter Höhe.

Klar, zu Beginn ging das ins Geld. Aber mit guter Planung und den Vielfliegerlounges in Zürich und wahlweise Kiew oder Helsinki ist man in manchem Monat tatsächlich deutlich unter der üblichen Wohnungsmiete! Und ich bin ja nicht obdachlos. In meinem Büro habe ich alles, was ich sonst so brauche: Badezimmer, Mikrowelle, Kaffeemaschine und einen kleinen Kühlschrank. Auch die Utensilien sind nun billiger: Ein Nackenkissen ist ja mit dem Verkauf meines Bettes und den wegfallenden Waschkosten für die Bettwäsche fast hundertfach amortisiert.

Natürlich, der einstündige Aufenthalt vor dem unmittelbaren Rückflug ist jeweils ein unangenehmer Riss aus der Tiefschlafphase, allerdings tut dieses kurze Beinevertreten dem Rücken ziemlich gut. Zudem habe ich gute Kontakte geschlossen und die besten Möglichkeiten für Croissants ausgecheckt. In Kiew beispielsweise gibt es direkt bei Gate 28 einen klitzekleinen Snackstand, an welchem Lena arbeitet. Die Croissants werden immer 15 Minuten vor meiner Ankunft geliefert und sie lächelt jeweils, wenn ich um die Ecke komme und mit Handzeichen zwei Stück bestelle. Ich weiss nicht, ob sie oder der Snackstand Lena heisst. Jedenfalls steht dieser Name auf ihrem T-Shirt.

Beim Rückflug komme ich dann nach zwei weiteren Stunden Tiefschlaf in eine angenehme Dösphase, in welcher die Träume und die Wirklichkeit verschmelzen. Dann führe ich seltsame Konversationen mit Sonja, das Flugzeug macht Loopings und manchmal lehne ich meinen schnarchenden Kopf an die Schulter meines Sitznachbars.

Die Frage nach meiner persönlichen CO2-Billanz ist tatsächlich eine heikle. Wenn man jeden Tag fliegt, gibt es da natürlich keine Entschuldigung. Ja, ich belaste die Umwelt durchschnittlich hoch. Aber rein nervlich bin ich, zumindest im Arbeitsalltag, viel angenehmer für meine Mitmenschen. Auch im Flugzeug beschwert sich überhaupt nicht jeder. So mancher Sitznachbar hat auch schon seinen Arm um mich gelegt und laut mit mir mitgeschnarcht. Willkommen im 21. Jahrhundert.

 

Autor: Laurin Buser, Slam Poet

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Nachhaltigkeit – der Begriff ist in aller Munde. Nach Jahrzehnten des Kampfes scheint das Wort in Wirtschaft und Gesellschaft angekommen zu sein: Coop und Migros überbieten sich gegenseitig mit immer grüneren Ideen, die Energiewende findet im Parlament eine Mehrheit und für umweltschädigende Unternehmungen wird es zunehmend schwieriger, sich zu rechtfertigen.

Trend gut, alles gut? Könnte man meinen. Ich wage jedoch zu behaupten, der Weg zu einer ökologischen Gesellschaft ist viel steiniger und könnte mit tiefer greifenden Veränderungen verbunden sein als wir uns das vorstellen und wünschen.

Vor 30 Jahren bestand die Umweltbewegung aus aufgebrachten Bürgern, welche auf der Strasse einen respektvolleren Umgang gegenüber der Umwelt forderten. Heute sieht die Situation grundlegend anders aus: Der Gedanke des Umweltschutzes findet vermehrt in der Wirtschaft Anklang. Dieser Trend ist grundsätzlich wünschenswert und ein Verdienst der Grünen Parteien, die den Gedanken des Umweltschutzes in der Mitte der Gesellschaft platzieren konnten. In den letzten Jahren hat sich Beispielsweise der Wirtschaftsdachverband «Swisscleantech» gebildet und wird heute als einflussreiche «Stimme der grünen Wirtschaft» wahrgenommen. Die Forderungen nach «mehr Umweltschutz» verbinden den Wirtschaftsverband und die Umweltbewegung, die Motive dafür sind jedoch sehr unterschiedlich. Während für die Umweltbewegung der Schutz der Natur im Zentrum steht, ist für den Wirtschaftsverband Umweltschutz Mittel zum Zweck: Primäres Ziel ist nicht die Umwelt zu schützen, sondern die Möglichkeit mit nachhaltigem Wirtschaften Geld zu verdienen und so einen neuen Wachstumsmotor zu erzeugen. Der Schutz der Umwelt ist somit nur ein angenehmer Nebeneffekt, nur eine hinreichende, aber im Gegensatz zur Profitmaximierung keine notwendige Bedingung.

Der Umweltgedanke ist in der Schweiz heute so tief verankert wie noch nie. Viele Ideen und grosse Energie ist vorhanden: So entstehen Beispielsweise neue Phänomene wie «urban gardening»,  «containern» oder eine «Nachhaltigkeitswoche», wie sie vom 2.-6. März an den Zürcher Hochschulen stattfindet. Positive und unterstützenswerte Initiativen. Dabei darf es allerdings nicht bleiben. Die Umweltbewegung muss sich stärker den theoretischen Grundlagen ihres Handelns bewusst werden und sich mit ihnen befassen. Ansonsten drohen Aktivitäten nur in oberflächlichen Verbesserungen zu enden ohne die Wurzeln der Probleme überhaupt in Betracht zu ziehen. Folgende zwei Grundsatzfragen scheinen mir dabei zentral und sollten viel stärker, kritischer und offener diskutiert werden:

Erstens: Wirtschaftswachstum und Umwelt

Die erste Frage betrifft die Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz: Ist exponentielles Wirtschaftswachstum auf einem endlichen Planeten möglich ohne die Umwelt zu zerstören? In Anbetracht der enormen Bedeutung dieser Frage finden sich erstaunlich wenige Antworten. Sie ist aber entscheidend, da die daraus entstehenden Schlussfolgerungen das Handeln der Umweltschützer massiv beeinflussen sollten. Wäre Wirtschaftswachstum mit der Umwelt grundlegend nicht vereinbar, hätte beispielsweise die Harmonie zwischen dem Wachstumsverband «Swisscleantech» und den «wahren Umweltschützern» keine Zukunft. Zudem ergibt sich daraus eine weitere Frage: Um das daraus folgende Ziel einer wachstumslosen Gesellschaft zu erreichen, muss zuerst verstanden werden wie Wirtschaftswachstum überhaupt zustande kommt. Eine zweite sehr Grundlegende Frage.

Zweitens: Entstehung von Wirtschaftswachstum

Zugegeben, die Zusammenhänge sind kompliziert und es gibt wohl nur wenige Menschen, die einen vollständigen Durchblick haben. Ich habe ihn zumindest nicht. Auf der Suche nach Begründungen des Wachstumszwanges finden sich verschiedene Theorien: Für die Einen besteht der Grund im Konkurrenzsystem. Um fortbestehen zu können, muss jedes Unternehmen seinen Gewinn maximieren und wachsen, was zu einer wachsenden Wirtschaft führt. Andere sehen die Schuld in der Existenz von Zinsen, worauf aus einem Geldbetrag immer mehr entstehen muss. Für Dritte ist Wirtschaftswachstum eine Folge von Forschung, Innovation und dem Trieb des Menschen.

Am Ende ist mit den vielen Fragezeichen nur etwas klar: Wenn Umwelt und Wirtschaftswachstum nicht vereinbar wären, sind aus Umweltschutzgründen tiefgreifende Veränderungen der Wirtschaft unabdingbar. Lasst uns die vielen Fragen mit Inhalt füllen! Kritisch, differenziert und ohne Rücksicht auf Eigeninteressen. Nur so kann definiert werden, wie die Umwelt in den nächsten Jahrzehnten optimal geschützt werden kann.

 

Autorenbeschrieb: Levin Koller, Student Umweltnaturwissenschaften ETH.

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Um-Welt, was soll das bitte sein?

Au contraire zur In-Welt oder wie?

Wie die In-Welt deiner Mutter oder deiner Freundin?

Da bin ich öfters. Witz. Ich bin eher so, ist ja lustig, Zigis in den Wald zu schmeissen. Den Stummel weit rein schnippen dass ihn ein Reh frisst. Ich weiss was Umwelt ist, hab schliesslich studiert. Bin auch kein „Klima“-“Skeptiker“. Klar gibts Klima. Meine Freundin hat mir mal vom Plastik in den Weltmeeren geklagt. Langsam hinsiechende Möwen, erwürgt von Kunststoffringen, die mal ein Sixpack zusammenhielten oder einen Fernsehkarton. Immerhin klappt das mit dem Alu. Oder?

Wir rezyklieren doch neunundneunzig Prozent davon, oder?

Aber wär ja nicht schlimm. Das taucht ja, nicht?

Das schwimmt nicht obenauf und bildet Atolle im Nordpazifik wie es der Plastikkarsumpel anscheinend tut. Hat mir meine Freundin erzählt. Sie musste es für einen Vortrag recherchieren sonst wär ihr das auch scheissegal geblieben. Und jetzt hab ich den Salat. Nicht nur im Teller. „Komm Schatz wir nehmen den Nachtzug nach Lissabon, nicht den Flieger. Ist doch auch tolle Ferien so ne Nachtzugfahrt“ sagt sie dann, weil sie weiss, ich spring nur an, wenn für mich was drin liegt. Sie hat aufgegeben mir Nächstenliebe zu lehren. Jetzt macht sie mein Egoismus geil. Das freut mich sehr. Aber Lissabon geht schon mit dem airberlin drei Stunden. Ich bin übrigens schon links. Beziehungsweise Mitte links. Beziehungsweise moderat. Abstimmen tu ich manchmal, wählen eigentlich nie. Und wenn würd’ ich sicher nicht links wählen. Links abstimmen, also Mitte-links, aber nicht wählen. Bin ich denn bescheuert?

Ausländer raus?

Da müsst ich ja noch mehr arbeiten. Ich bin mit 65 pensioniert, glaubs mir nur. Die AHV hat’s bis dann eh gelupft. Drum landen die vorigen Franken eben unter der Matratze. Bist jetzt verruckt?

Seid’s jetzt madig mit mir?

Aber Ihr könnt mir gar nichts vorhalten, Ihr seid mit Nachhalten beschäftigt. Sobald Ihr anklagt werdet ihr von eurer eignen Heuchlerei aufgefressen. Die Welt retten braucht Zeit, hat mir mal eine Bekiffte mit Filz als Haar vorgetragen. Glasaugen. Alle Zeit eigentlich, eigentlich sollten die Grünen die Vierstundennacht propagieren. Dann kann man wieder raus, was für die Um-Welt tun. Dosen aufsammeln. Ich hab wenigstens begriffen, dass ich auch nix machen kann. Und auch du nicht imfall. Auf den heissen Stein tropfen. Das Pet in den Coop zurückbringen oder in den Volg. Bio kaufen und damit die Schweizer Bauern subventionieren, dass sie weiter um Eins in der Beiz auf ihrem ersten Kirschsuff vom Tag trippen können, wo ich zweiundvierzigeinhalb Stunden pro Woche von einem Schlips erwürgt werde. Klar. Keine Plastiktüten mehr benutzen. Und im Osten feuern sie damit den Ofen an wenn die Kohle mal wieder alle ist. Ja genau. Auf den heissen Stein tropfen. Nächste Woche mach ich ein paar Liegestützen damit meine Arme grösser aussehen und geh nach Schlieren. Kauf mir einen 79er Trans Am und fahr damit überland nach Konstanz zum Einkaufen. Das ist so ein Auto, da sind horrende Abgaben drauf, wenn man damit rumfährt. Der Staat straft, weil der Auspuff noch richtig zu tun hat. Klar kann ich’s mir leisten. Ich sollte einfach aufhören, mir auf Stimulanzien Zigarren mit Hunderternoten anzuzünden, dann hätt ich mehr als genug. Aber man darf ja Vorsätze haben, so bin ich auch nicht. Ich bin ein positiver Mensch. Und Kohlendioxidfetischist. Ich lass ihn an, leg mich unters Heck und schnüffel den Qualm, minutenlang. Oft werd ich dabei spitz und fang an, mir einen runterzuholen. Keine Ahnung, liegt wohl an verdrängten Erinnerungen aus der Kindheit. Ein dicker, fetter Nervenstrang, direkt vom Kohlendioxidrezeptor in meiner Nase in meine Schwellkörper. Gut ist, was glücklich macht. Da muss kein Therapeut oder Priester kommen und mir das madig machen wollen. Der Zug ist schon längst abgefahren. Die Erde gibts sowieso nur noch paar Jahrzehnte. Der Billigflieger hat abgehoben.

 

Autorenbeschrieb: Simeon Milkovski, Mitte Zwanzig, ein positiver Mensch.