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Mediadaten


Verkrampfte Parteien. Ablasshandel in der Weihnachtszeit.

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Mit einigem Staunen beobachte ich die Vorbereitungen der politischen Elite auf die Bundesratswahlen. Nicht wenige Parteien gehen mit einer schieren akademischen Verkrampfung an das Thema heran.

Von rechts aussen ruft es gebetsmühlenartig nostalgisch nach der Zauberformel: Die stärksten drei Parteien je zwei, die viertgrösste einen Sitz. Nach dieser Formel wären heute noch 70 Prozent der Wählenden in der Regierung vertreten; gemessen an der Wahlbeteiligung noch knapp 35 Prozent. Der Reihe nach startet Herrliberg mediale Angriffe auf sämtliche Parteien, die bei den Bundesratswahlen mitentscheiden können. Mal geht’s gegen die FDP, dann gegen die SP. Auch die sogenannte neue Mitte spielt mit bei diesem Theater: Sie beruft sich auf die inhaltliche Konkordanz. Und hat als einziges Ziel, Eveline Widmer-Schlumpf (EWS) zu retten. Eine Konkordanzregierung, bei der die Eigeninteressen im Vordergrund stehen. Das widerspricht sich. Dann ist da noch die Linke, die strategisch keinen guten Eindruck hinterlässt. Verschiedene Exponenten der SP äussern sich unterschiedlich. Die einen sind für EWS, andere für einen zweiten SVP-Sitz, wieder andere gegen Schneider-Ammann. Geeinigt hat man sich noch nicht. Fakt ist, dass die SVP Anspruch auf einen zweiten Sitz hat. Fast so sicher ist, dass jemand aus der heutigen Regierung nicht wiedergewählt wird (Achtung: keine Abwahl). Treffen wird es den blassen Schneider-Ammann aus der Partei mit dem Velo fahrenden Präsidenten.

 

In der Weihnachtszeit wimmelt es in Zürich von Studenten, die Mitgliedschaften von Wohltätigkeitsvereinen verkaufen. Passanten sollen für die Entwicklungsländer bezahlen und so ihr Gewissen reinwaschen: Ablasshandel im 21. Jahrhundert. Es sind die gleichen Passanten, die sich mit einer Worldvision-Patenschaft für ein indisches Kind gegen Kinderarbeit einsetzen und dann im H&M T-Shirts kaufen, die von Kindern in den sogenannten Sweatshops genäht wurden. Eine intellektuelle Inkonsistenz par exellence. Es ist einfacher, ein Formular auszufüllen und per Lastschriftverfahren einen Betrag zu spenden, als sich ernsthafte Gedanken über die Situation zu machen. Spender verweigern sich der Frage, was schief laufen muss, damit wir uns T-Shirts für sieben Franken kaufen können. Sie verweigern sich der Frage, worauf unser Reichtum beruht. Sie verweigern sich der Frage nach der Umverteilung von unten nach oben. Sie behandeln die Symptome statt die Ursachen. Eine Schmerztablette für die Verlierer der Globalisierung. So geht es weiter, Jahr für Jahr. Im Dezember haben die geschulten Fundraiser Hochkonjunktur und werben in von Kinderhänden gefertigten Adidas-Trainerjacken Sünder an, die pünktlich zum Weihnachtsfest einmal mehr gerade noch der Hölle entkommen können.

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 02. Dezember 2011 um 05:31 Uhr  

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