
Editorial
Versuch eines philosophischen Kommentars
Oberflächlich betrachtet: Wir nehmen Sprache mit den Ohren wahr, Bilder mit den Augen. Wie verhält es sich jedoch hinter den Kulissen mit dem Verhältnis von Bild und Sprache? Es sind äusserst spannende Gedanken, welche sich in der Sprachphilosophie und den berühmten Zeichentheorien verbergen.
Zur Zeit der Aufklärung stellte Gotthold Lessing eine interessante Überlegung zu Bild und Sprache an. Er erläuterte in seinem Text „Laokoon“ die Grenze der Malerei und der Poesie. Die Aufgabe der Malerei sei es, Gegenstände darzustellen. Demgegenüber beschreibe die Poesie Handlungen. Lessing spricht der Sprache die Fähigkeit ab, aussagekräftige Bilder zu erschaffen. Versuche man trotzdem, mit Sprache Bilder zu kreieren, gehe dies nur, wenn wir jene „vor unseren Augen nur Stück vor Stück zusammensetzen“. Das Verwenden von Sprache, um Bilder vor den Augen zusammenzusetzen, lässt es uns erahnen. Die Beziehung zwischen Bild und Sprache ist komplex.
Die Sprachphilosophie der Moderne machte die trennscharfe Unterscheidung zwischen Bild und Sprache zunichte. Mit dem Modell des „Semiotischen Dreiecks“ wurde die Beziehung eingeführt, welche Zeichen im Allgemeinen an sich haben. Dies gilt sowohl für Bildzeichen als auch für Sprachzeichen. Dabei wird die wichtige Unterscheidung zwischen Bedeutung und Bezeichnung gemacht. Um mich eines prominenten Beispiels zu bedienen: „Ceci n’est pas une pipe“ (vgl. Abbildung). Nein, es ist wirklich keine Pfeife, sondern nur ein Bild einer Pfeife. Auch ein Zweites können wir anhand dieses Bildes bemerken. Die Verbindung von Bild und Sprache ist nur bedingt möglich. Denn die Schrift(Sprache) und das Bild verstehen wir über unterschiedliche Vorgänge. Den Satz verstehen wir, aber das Bild erkennen wir.
La trahison des images von René Magritte
Verbinden wir den Gedanken Lessings mit der modernen Zeichentheorie, ergibt sich Folgendes: Bilder dienen, um Gegenstände darzustellen, wobei wir mit Sprache Handlungen erzählen können. Sowohl Bild als auch Sprache sind jedoch nur Zeichen, welche für eine Bedeutung, einen Gedanken stehen.
Was ist also Bildsprache? Eine Mischform aus Sprache und Bildern? Also die optimale Möglichkeit, einen Gegenstand und eine Handlung aufzuzeigen, alles aufzuzeigen? Aber wie kann man Bild und Sprache in einem ausdrücken? (Ich wage zu behaupten, dass auch der Film diese Verbindung nicht wirklich zustande bringt.) Es scheint, als ob sich die Gleichzeitigkeit von Bild und Sprache unseren Sinneswahrnehmungen vollkommen entzieht. Nicht umsonst haben wir Ohren und Augen getrennt. Bild und Sprache sind unvereinbare Begriffe. Gegenteile. Bildsprache ist ein schwarzer Schimmel. Da helfen nur die Gedanken weiter. In meinen Gedanken bleibt am Ende nur die Frage übrig: WAS ZUR HÖLLE IST NUN BILDSPRACHE?












